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Der politische Kommentar Ein riskantes Spiel auf Zeit
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12:27 05.05.2017

Ja, vielleicht kann die SPD an diesem Wochenende noch darauf setzen, dass die Menschen zwischen Flensburg und Lübeck mit dem CDU-Nobody Daniel Günther nicht viel anfangen können und die Unentschlossenen letzten Endes an der Urne doch noch für Albig, Stegner und Co. votieren.

Doch spätestens eine Woche darauf wird’s wirklich ernst, wenn im Schulz-Land NRW die Wahllokale öffnen. Amtsinhaberin Hannelore Kraft und ihrem Widersacher Armin Laschet wurde ja bereits angedichtet, dass beide sich gut mit einer großen Koalition in Düsseldorf arrangieren könnten - autsch! Gar nicht gut für die Schulz-Kampagne, die ja eigentlich auf eine Abgrenzung zur bürgerlichen Mitte und die Rückbesinnung auf die guten, alten sozialdemokratischen Werte setzen soll.

Ob aus dieser ideologischen Konfliktlage bis in den September hinein ein eleganter Balanceakt wird oder ein eher unbeholfener Eiertanz, liegt weitgehend in der Hand des Merkel-Herausforderers selbst - auch wenn die Linke bereits in forscher Selbstüberschätzung diese Rechnung aufmacht: Je stärker wir sind, umso radikaler muss Schulz an den Start gehen. Der sicherlich wahre Bestandteil dieser These: Schulz muss tatsächlich wesentlich mehr Profil zeigen. Allein schon deshalb, weil der euphorisch bejubelte Höhenflug des SPD-Erneuerers seit seiner Kür zum Spitzenkandidaten gerade mal die ersten 100 Tage anhielt, bevor die Thermik riss und er mitsamt seiner Partei von der unbarmherzigen Realität der Sonntagsfragen eingeholt wurde. Jetzt trotzdem erst einmal auf die Ergebnisse der beiden Landtagswahlen zu schielen, um sich dann strategisch auszu­richten, ist ein riskantes Spiel auf Zeit, das sich gerade die SPD nicht leisten kann.

von Carsten Beckmann

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