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Du hast keine Chance, nutze sie!

Club of Rome Du hast keine Chance, nutze sie!

Wir haben‘s vergeigt. Unumkehrbar. Schon vor vier Jahrzehnten hatte der erste wachstumskritische Warnruf des Club of Rome weltweites Aufsehen erregt, immer wieder wurden seitdem die umwelt-, wirtschafts- und sozialpolitischen Kassandrarufe der Zukunftsforscher zitiert, und kaum jemand zweifelte damals und zweifelt heute die Seriosität der getroffenen Aussagen an.

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Wie auch? Ein Teil des globalen Krisenszenarios, das der Club 1972 an die Wand gemalt hatte, ist längst eingetreten. Jene düstere Vision des Lebens im Jahr 2052, die gestern vorgestellt wurde, ist also mitnichten das gedankliche Konstrukt einer Gruppe zur Übertreibung neigender Weltuntergangsdramatiker. Dass der weltweite Klimawandel mit all seinen drastischen Auswirkungen unaufhaltsam fortschreitet, weil der Klimaschutz sich nach wie vor dem Wachstumsdenken einer offenbar unbelehrbaren Weltwirtschaft unterzuordnen hat, ist Realität.

Dass die Ressourcen unwiederbringlich zur Neige gehen, weil der Begriff der Nachhaltigkeit eher belächelt als ernstgenommen wird, ist Realität.

Dass es Millionen von Menschen, von wirtschaftlichen Zwängen getrieben, in die Ballungsräume zieht, während andere Regionen regelrecht veröden, ist an den aktuellen Wanderungsbewegungen ebenfalls bereits ablesbar.

Kurzum: Es wird ein unwirtliches, ein hartes Leben sein im Jahr 2052, und es wird den Prognosen zufolge insbesondere die Menschen in jenen Regionen des Planeten treffen, die im Moment noch vergleichsweise gut leben.

Du hast keine Chance, also nutze sie - das Zitat aus Herbert Achternbuschs „Atlantikschwimmern“ könnte vor diesem Hintergrund allenfalls noch als Losung taugen in einer Welt, die dem Untergang geweiht zu sein scheint.

Es ist gleichermaßen ein Leitsatz für Regierungen, für die Weltwirtschaft und für jeden Einzelnen, denn wie gesagt: Wir, auch wir haben‘s vergeigt, nicht allein „die da oben“.

Ab morgen mit dem Fahrrad zur Arbeit? Wenn möglich, ja, Berufspendler ausgenommen. Ab sofort nur noch einmal in der Woche Fleisch auf dem Teller? Klar, warum nicht, hat Opa auch nicht geschadet. In diesem Jahr kein Billig-All-Inclusive in der Domrep, sondern eine Radtour an der Mosel? Soll richtig schön sein. Keine Billigfummel mehr vom Modediscounter, sondern ab und zu zertifizierte Qualitätsware? Die große Liste der Kleinigkeiten ist unerschöpflich.

Globales Umdenken von oben wie von unten ist die eine Option. Die andere Option heißt „business as usual“, ­Weitermachen wie bisher - mit apokalyptischen Folgen, die sich wahrscheinlich nicht einmal der hellsichtige Club of Rome auszumalen wagt.

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