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Doppelmoral der Gebührenzahler

Rundfunk Doppelmoral der Gebührenzahler

In der Debatte über Sinn und Unsinn des gebührenfinanzierten Rundfunks und Fernsehens wird gern mit einem guten Maß doppelter Moral argumentiert.

Nicht selten regen sich die gleichen Zuschauer und Zuhörer über die vermeintlich nachlassende Qualität öffentlich-rechtlicher Funkmedien auf, die ebenfalls darüber lamentieren, dass „die Privaten“ mehr Werbung als Inhalte zeigen. Und als absurdes Sahnehäubchen gibt’s dann noch das auch nicht gerade billige Sky- und Netflix-Abo obendrauf. Eine Debatte also, die eher von Geschmack geprägt ist als von Verstand. Hätten nicht in der Schweiz, sondern hierzulande am kommenden Sonntag die Bürge­rinnen und Bürger zu entscheiden, ob sie weiter für Radio und Fernsehen zahlen wollen, wäre durchaus denkbar, dass eine Mehrheit glaubt, mit den 17,50 Euro im Monat etwas Besseres anfangen zu können, als die Gebühr zu entrichten - Geiz ist geil. Doch ob in der Schweiz, in Deutschland oder sonstwo: Zum Nulltarif sind zumindest jene Medienangebote nun einmal nicht zu haben, die mit dem Grundgedanken eines öffentlichen, der Demokratie verpflichteten Bildungs- und Informationsauftrags produziert werden. Gebührengegner, die damit argumentieren, die Öffentlich-Rechtlichen könnten schließlich ihre Inhalte an interessierte Zuschauer verkaufen, wollen offenbar nicht zur Kenntnis nehmen, dass das System „Pay per View“ vielleicht gerade noch bei seichten Soaps oder coolen Comedys funktionieren kann, nicht aber bei Inhalten, die aufwendig recherchiert und qualitativ adäquat produziert werden müssen. Immer stärker haben sich in den vergangenen Jahren auch Rundfunk- und Fernsehredaktionen in Recherchegemeinschaften an investigativen Aufgaben beteiligt und damit Beweise dafür erbracht, dass unsere Mediendemokratie um einiges ärmer wäre, wenn die journalistische Flughöhe nur noch von einer Handvoll privater Boulevardmagazine bestimmt würde.

Im Fall der Schweiz kann man drastisch veranschaulichen, welchen Schaden die Vielfalt eines Landes nähme, wenn Bürgerinnen und Bürger nicht mehr bereit wären, für ihre Informationsquellen zu zahlen: Im italienischen, französischen und deutschsprachigen Teil der Alpenrepublik gäbe es ohne die „Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft“ vielleicht noch private Angebote. Doch zumindest im rätoromanischen Raum würden in den SRG-Studios die Lichter ausgehen, ohne dass es Alternativen gäbe. So stirbt Kultur, so stirbt Sprache, so stirbt Demokratie. Pathetisch? Übertrieben? Mag sein. Doch jeder TV- und Radiokunde in Deutschland möge sich an dieser Stelle einmal fragen, ob er auf die „Dritten“ oder den Deutschlandfunk verzichten möchte.

von Carsten Beckmann

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Von Redakteur Michael Agricola