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Der politische Kommentar Deutschlands lange Leitung
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21:58 04.11.2014

Der Wind weht nun einmal vor allem an der Küste. Die Rotoren produzieren dort besonders günstig sauberen Strom. Also müssen neue Leitungen her.

Das Problem sind nicht in erster Linie die gewaltigen Kosten von 22 Milliarden Euro, die nach bisherigem Stand dafür veranschlagt sind. Schwerer wiegt, dass keiner die Masten vor der Tür haben will, die quer durch das Land gezogen werden müssen, mag der Zuspruch zum Atomausstieg auch noch so groß sein. Nirgendwo war der Aufstand gegen die angeblichen „Monstermasten“ so groß wie in Bayern gegen die Südost-Trasse, die von Sachsen-Anhalt in den Freistaat gezogen werden soll.

Horst Seehofer, der sich selbst als großer Volksversteher begreift, hat darauf umgehend reagiert. Erst war er für die Trassen, aber als sie konkret und damit unpopulär wurden, hat er sie kurzerhand für überflüssig erklärt. Er setzt auf Biomasse und Gaskraftwerke in Bayern. Bei seinem Trassen-Veto verfügte er bislang über ein zugkräftiges Argument. Das Südost-Kabel aus Sachsen-Anhalt solle letztlich gar keinen Ökostrom in den Freistaat bringen, sondern schmutzigen Braunkohle-Strom.

Das zieht nun nicht mehr. Die Leitung soll nach Norden verlängert werden, ihr Einzugsgebiet im Endeffekt bis zu den Windparks in Mecklenburg-Vorpommern reichen. Auch wenn der Kohlestrom-Einwand dadurch erschüttert wird, der CSU-Chef wird seinen Widerstand kaum aufgeben. Denn die Energiewende hat noch einen Aspekt: Sie produziert Gewinner und Verlierer. Der große Gewinner ist der Norden, wo vom Windstrom Bauern wie Rotorenbauer profitieren. Die einen verpachten die Stellflächen, die anderen produzieren die Windräder. Eine Milliarden-Branche. Der wohlhabende und erfolgsverwöhnte Süden Deutschlands verliert dagegen Kraftwerke und mit ihnen Wirtschaftskraft. Auch darum geht es.

von Arnold Petersen

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