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Der Weckruf ist gehört worden

Bildungsbericht Der Weckruf ist gehört worden

Deutschland war schockiert, als 2001 die erste Pisa-Studie erschien und der deutschen Bildungspolitik ein miserables Zeugnis ausstellte.

Die schlechten Platzierungen, die man im internationalen Vergleich der OECD erreichte, wirkten wie ein Weckruf zur rechten Zeit. Er wurde offenbar gehört. Denn in den vergangenen zehn Jahren ist viel geschehen, wie auch der gestern vorgestellte Bildungsbericht von Bund und Ländern deutlich macht. Die Zahl der Abiturienten wächst demnach kontinuierlich, die der Schulabbrecher geht zurück und das Schulsystem ist insgesamt flexibler und durchlässiger geworden. Außerdem nimmt die Zahl der Ganztagesschulen ebenso zu wie die der Kinder im Alter ab drei Jahren, die eine Kita oder einen Kindergarten besuchen. Fast durchweg haben Bund und Länder die Ausgaben für Bildung und Forschung nicht gesenkt, sondern kräftig erhöht. So weit, so gut.

Doch die Bildungspolitiker dürfen sich jetzt auf keinen Fall ausruhen, sondern müssen die verbliebenen und oft besonders hartnäckigen Probleme mit verstärkter Energie angehen. Die Zahl der abgehängten Jugendlichen ist im deutschen Bildungssystem noch immer zu hoch - fast ein Fünftel der 15-Jährigen kann nicht richtig lesen. Diese jungen Menschen gehören meist zum harten Kern der Bildungsverlierer, um die sich Staat und Gesellschaft mit gezielten Förderangeboten noch intensiver als bisher kümmern muss.

Offen ist auch, ob das achtjährige Gymnasium auf Dauer als der Weisheit letzter Schluss gelten wird. Selbst wenn die Leistungen gut sind, ist der Stress für viele Schüler enorm gewachsen. Vielleicht kommt man in einiger Zeit doch wieder zu dem Ergebnis, dass auch neun Regel-Jahre auf dem Gymnasium ihre Vorteile haben.

Zu Recht weisen die Bildungsforscher darauf hin, dass der Ausbau von Kita-Plätzen für Unter-Dreijährige in den nächsten zwölf Monaten massiv beschleunigt werden muss, damit vom 1. Juli 2013 an alle Eltern das dann gültige Recht auf einen Kita-Platz in Anspruch nehmen können. Hier muss die Politik ihre Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. Folgenlos dürfte wohl die Warnung der Bildungsforscher vor dem Betreuungsgeld verhallen - das Thema ist für die CSU so sehr zur Prestigefrage geworden, dass sie nicht mehr auf die Durchsetzung diese Ziels verzichten wird.

von Joachim Riecker

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