Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Der Schatten der Währungsunion

Euro-Schuldenkrise Der Schatten der Währungsunion

Portugal und Spanien gehören zu den europäischen Ländern, zu denen Deutschland bis vor kurzem sehr gute Beziehungen hatte. Das hat auch historische Gründe.

Sie waren nie von deutschen Truppen besetzt, stattdessen kamen in den vergangenen Jahrzehnten Millionen von Touristen und ließen dort viel Geld. Und als beide Länder in den 70er Jahren demokratisch wurden, spielten deutsche Stiftungen im Hintergrund eine wichtige Rolle.

Doch auch auf der Iberischen Halbinsel hat sich das Bild Deutschlands durch die Euro-Krise massiv verschlechtert, wie beim gestrigen Besuch von Angela Merkel in Lissabon erneut deutlich wurde. Portugals Hauptstadt befand sich im Ausnahmezustand, durch die Straßen hallten „Merkel raus!“-Rufe, und Prominente hatten die Kanzlerin zur „unerwünschten Person“ erklärt. In Ländern wie Griechenland, Spanien und Portugal ist Merkel zum Symbol für eine verhasste Sparpolitik geworden. Wirtschaftlich bietet der Euro für die deutsche Wirtschaft enorme Vorteile, und deshalb ist es richtig, für seinen Erhalt zu kämpfen. Emotional hat er die Europäer aber einander nicht nähergebracht, im Gegenteil.

In Deutschland ist das Gefühl weit verbreitet, dass man nicht immer neue Garantien und Hilfspakete für die überschuldeten Länder im Süden übernehmen kann. Dort haben wiederum viele Menschen das Gefühl, vom starken Deutschland zu wenig Solidarität zu erhalten und immer tiefer in eine Abwärtsspirale getrieben zu werden.

Aus diesem Dilemma gibt es keinen einfachen Ausweg, denn auch Deutschlands Kraft ist nicht unbegrenzt. Gerade deshalb sollten die Politiker aber zugeben, dass der Euro für Deutschland neben den wirtschaftlichen Vorteilen auch erhebliche politische Probleme mit sich bringt.

von Joachim Riecker

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar