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Der politische Kommentar Der Papst darf Schwäche zeigen
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23:32 11.02.2013

Millionen Besucher der größten Kirche der Christenheit haben schon unter dieser Inschrift gestanden, aber niemand kann nur annähernd nachfühlen, mit welcher Wucht dieser Satz einen Menschen treffen kann. Die Verantwortung für eine weltumspannende, nichts anderes bedeutet „katholisch“, Kirche zu tragen, verlangt eine schier übermenschliche Anstrengung. Papst Benedikt XVI. ist die Last zu groß geworden.

Ein brillanter Theologe, ein begnadeter Formulierer in einer Vielzahl von Büchern und Schriften sollte fortan Papst sein - doch der Machtanspruch, der diesem Amt auch innewohnt, vor allem die Durchsetzung dieses Machtanspruches, scheinen dem Menschen Ratzinger wesensfremd. Ein Vatikankenner hat ihn einmal „eine reine Seele“ genannt, was vielleicht eine sehr freundliche Umschreibung ist für einen klugen alten Mann, dem die Wirklichkeit entglitten ist.

Der Entschluss von Benedikt XVI., das große Amt aufzugeben, verdient höchsten Respekt. Er mag das Beispiel seines Vorgängers vor Augen gehabt haben, dessen öffentliches Leiden und öffentliches Sterben. Die Stärke zu haben, die Schwäche des Menschen offen zu zeigen, ist nicht jedem gegeben. Das Beispiel, das Benedikt nun gibt, steht dafür, dass der Mensch seine Schwäche - auch die vor Gott - eingestehen kann. Die Barmherzigkeit Gottes ist so groß - sie lässt auch das zu. Und das ist doch zuletzt eine frohe Botschaft.

von Reinhard Urschel