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Der Friedenssymbolpreis

Nobelpreis-Bekanntgabe Der Friedenssymbolpreis

Der Friedensnobelpreis garantiert jedes Jahr für eins: Spannung. Immerhin, denn die durchgreifende Wirkung, die man ihm gern zuschreiben möchte, hat die wohldurchdachte Entscheidung der Jury in Oslo leider nicht. Das Signal, das stets von der Verleihung des höchsten Friedenspreises der Welt ausgeht, ist enttäuschend kurzlebig.

Oder wissen Sie noch aus dem Stegreif, wer vor zwei oder fünf Jahren den Preis erhielt? Ich musste auch nachschauen. 2015 wurde das „Quartett für nationalen Dialog“ in Tunesien ausgezeichnet und 2012 wir alle - als Teil der friedensfördernden Institution „EU“. Und vor zehn Jahren? Da ging es um Klimaschutz - Al Gore und der Weltklimarat erhielten den Preis.

Diese Beispiele zeigen zweierlei: dass das Komitee bei der Wahl der Themen meist ein gutes Gespür beweist. Klimaschutz, die Krise der EU, aber auch die Situation in Nordafrika sind auch heute noch weit oben auf der Agenda der Weltpolitik zu finden. Genauso offensichtlich ist der zweite, eher niederschmetternde Befund: Die hohe Auszeichnung und die weltweite Aufmerksamkeit lösen selten Fortschritte in der Sache aus.

Und so bleiben gemischte Gefühle auch angesichts der Entscheidung vom Freitag. Ican, das Internationale Bündnis von 450 Organisationen für die Abschaffung von Atomwaffen, ist ohne Frage preiswürdig. Mehr als 120 Staaten dazu zu bringen, einen internationalen Vertrag zum Verbot von Nuklearwaffen zu unterstützen, ist eine tolle Leistung. Doch es ist ein Muster ohne Wert, solange sich die Atomstaaten und Nato-Länder wie Deutschland nicht daran beteiligen.

Immerhin, ein Anfang. Man kann auch hoffen, dass der Friedensnobelpreis zu einem Umdenken bei den Kims und Trumps dieser Welt führt. Aber das wäre naiv. Denn es gibt mit dem Atomwaffensperrvertrag längst ein verbindliches Instrument, mit dem sich abrüsten ließe. Doch es funktioniert nicht. Zu verlockend ist die Drohkraft, die atomare Sprengkörper ausstrahlen. Dieses Druckmittel wird keiner, der auf den Erhalt oder die Ausweitung seiner Macht aus ist, so leicht aus der Hand geben. Daran hat sich seit dem Kalten Krieg nichts geändert, und es ist zu befürchten, dass auch der Nobelpreis für Ican dies nicht vermag - selbst wenn er zweifellos zum richtigen Zeitpunkt kommt.

von Michael Agricola

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