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Auslaufmodell Globalisierung?

Trump Auslaufmodell Globalisierung?

Das Menetekel aus Davos zum Tag von Donald Trumps Amtsantritt lautet: Die Rädchen im Maschinenraum der Weltwirtschaft werden sich nun anders drehen. So stark werde der Einfluss des neuen Manns im Weißen Haus sein, dass das Ende der Globalisierung, wie wir sie kennen, unmittelbar bevorsteht.

Die Großbank Credit Suisse verbreitete gestern auf dem Weltwirtschaftsforum mit ihrem Abgesang auf die bisherigen Spielregeln der Weltmärkte genau jene Alarmstimmung, die die Weltwirtschaft jetzt am allerwenigsten braucht. Allein: In der Credit-Suisse-Studie stecken unbequeme Wahrheiten, die auch den Handelsplatz Europa schon bald empfindlich treffen könnten. Es ist kein Geheimnis, dass der neue US-Präsident und sein Wirtschaftsminister Wilbur Ross erklärte Gegner freien Welthandels sind. Trumps Maxime „America First“ wird die Wirtschaftspartner der USA vor Herausforderungen stellen, die sie von seinem Amtsvorgänger nicht gewohnt waren. Und sie scheinen zu zittern, die Entscheider in den Vorstandsetagen der Konzerne und in den Schaltzentralen der Politik: Das Allensbach-Institut ermittelte, dass mindestens jede zweite Führungskraft für die Zeit nach Trumps Amtsantritt mit einer Verschlechterung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses rechnet.

Der Umgang mit der Administration des neuen US-Präsidenten könnte sich für die Weltwirtschaft in der Tat als komplizierteste Heraus­forderung seit der globalen Finanzkrise erweisen. Eine Globalisierung, die größmögliches Wachstum ins Zentrum allen Handelns rückt, könnte es in der gewohnten Form bald nicht mehr geben - zu groß scheint die Unwucht, für die der US-amerikanische Kurswechsel sorgen dürfte.

Großmäulig, machttrunken, schwer lesbar: Wie in allen anderen Politikfeldern geriert sich Donald Trump bis jetzt auf dem Wirtschafts-Parkett als unsicherer Kantonist. Für Amerikas Handelspartner bietet das jetzt die Chance, umgehend und eindeutig zu definieren, wie die Welt mit den USA künftig zusammenarbeiten will. Jeder, der diese Chance vertut, weil er in Angst und Ehrfurcht vor Donald Trump erstarrt, meldet in vorauseilendem Gehorsam ökonomischen und politischen Bankrott an.

von Carsten Beckmann

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Von Redakteur Carsten Beckmann