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Auf der Suche nach der Wahrheit

Streit Comey/Trump Auf der Suche nach der Wahrheit

Die Katze war ja nun einmal aus dem Sack, und insofern macht James Comey jetzt nichts anderes, als sein Buch zu bewerben. Der frühere FBI-Direktor lässt darin kaum eine Verbalinjurie gegen den US-Präsidenten aus, doch Donald Trump wäre nicht Donald Trump, zahlte er es dem Schmähschriftsteller nicht mit gleicher Münze heim. Die wüsten Beschimpfungen flogen hin und her, und das wird vermutlich auch so weitergehen nach jenem Interview, das Comey dem Sender ABC News gab. So hält man sich im Gespräch, so wird das Buch zum Bestseller.

Viele Menschen in den USA werden „Auf der Suche nach der Wahrheit“ kaufen, noch mehr Menschen werden es ­lesen, doch welche tatsächlichen Wahrheiten sie zwischen den Buchdeckeln finden, bleibt abzuwarten.

Zuzutrauen ist dem Präsidenten ja offenbar alles, was der geschasste FBI-Chef da in den zurückliegenden Monaten über seinen früheren Dienstherren zusammengetragen hat. Politische Inkompetenz, Sexismus der übelsten Art, Lügen, Größenwahn, schmutzige Verbindungen mit Russland. All das wurde Trump bereits vor der Buchveröffentlichung nachgesagt, er stritt immer ­alles in Bausch und Bogen ab und ging jeden hart an, der versuchte, ihn und seine Amtsführung zu destabilisieren. Doch was geschah? Was geschieht jetzt, nach Comeys Buch gewordenen Enthüllungen?

Vermutlich nichts. Nicht einmal der Autor selbst mag daran glauben, dass die geballten Vorhaltungen, die gegen Donald Trump kursieren, in ein Amtsenthebungsverfahren münden werden. Nein, Comey setzt eher auf den aufklärerischen Effekt seines Werks und hofft, dass die Wählerinnen und Wähler sich angesichts der Enthüllungen mit Grauen von dem Mann im Weißen Haus abwenden und für einen Politikwechsel sorgen, wenn man sie das nächste Mal an die Wahlurnen zitiert. Das ist eine etwas befremdliche Haltung für einen Mann wie Comey, der als früherer Chef des Federal Bureau of Investigation eigentlich vollstes Vertrauen in die rechtsstaatlichen Prinzipien der Vereinigten Staaten von Amerika haben sollte. Doch vielleicht lässt ihn die Art, in der er selbst abserviert wurde, daran zweifeln, dass jemand wie Sonderer­mittler Mueller wirklich dazu imstande sein wird, Trump auf die Anklagebank zu bringen.

Heute erscheint James Comeys Abrechnung mit Trump. Der hat längst mit rechtlichen Konsequenzen gedroht, er wird seinen Widersacher weiter als „schwachen, unehrlichen Drecksack“ beschimpfen und ansonsten weitermachen wie bisher. Ist der Ruf erst ruiniert, regiert sich’s völlig ungeniert. Ob sich Comeys Hoffnungen auf die Vernunft und Einsicht der US-Öffentlichkeit erfüllen werden? Man darf leise daran zweifeln.

von Carsten Beckmann

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Von Redakteur Michael Agricola