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ADAC Auf Normalmaß

Die ADAC-Spitze hat in dieser Woche die ganz eigenen Gesetze eines Skandals zuspüren bekommen. Es begann mit dem Aufdecken einer peinlichen Manipulation, und es ging weiter mit Fragen,die wohl schon lange hättengestellt werden müssen.

Je genauer man hinschaut, desto verdächtiger ist der gelbeGigant.

Ist das Vertrauen einmal verloren, haben die Zweifel freie Bahn. Jeden Tag gab es neue Fragen an den Automobilclub - und jeden Tag waren die ADAC-Strategen mit Pannen in eigener Sache beschäftigt. Nicht jeder Vorwurf war berechtigt. Dass die autofahrenden 18,7 Millionen Mitglieder aber nun erfahren müssen, dass die ADAC-Führungsspitze mit dem Rettungshubschrauber zu Ter-minen unterwegs war, gibtder Debatte eine neue Dimension.

Bislang hat ADAC-Präsident Peter Meyer die Rolle des Aufklärers eingenommen, jetzt wird er selbst zum Problem.Ob er sich halten kann, ist fraglich. Die zentralen Fragen sind noch nicht überzeugend geklärt: Ist wirklich keinGeld von Spendern oder Steuerzahlern in die Flüge geflossen?

Der ADAC hat immer geglaubt, über jeden Zweifel erhaben zu sein. Umso gnadenloser ist er jetzt der Öffentlichkeit ausgeliefert. Der ADAC wird nicht umhinkommen, seinen Aufbau und auch seine Philosophie zu überprüfen. Wirtschaftlich kann das für den Club schmerzliche Folgen haben. Dass ein Riese mit mächtigen Verbindungen am Ende auf das Normalmaß einer Interessenvereinigung schrumpft, muss insgesamt aber keine schlechte Nachricht sein.

Bisher galt in Deutschland: Wer Auto fährt, ist im ADAC. Diese Zeiten sind vorbei.

von Jörg Kallmeyer

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