Volltextsuche über das Angebot:

27 ° / 14 ° wolkig

Navigation:
Armes, reiches Deutschland

Armutsbericht Armes, reiches Deutschland

Deutschland, die Konjunkturlokomotive Europas, strotzt derzeit vor Kraft. Die Steuereinnahmen sprudeln, der Arbeitsmarkt zeigt sich robust und noch nicht einmal die Eurokrise scheint dem Land und seiner Teflon-Kanzlerin etwas anhaben zu können.

Doch unter der Oberfläche tun sich erschreckende Ungleichheiten auf. Während die untere Hälfte der Haushalte gerade einmal ein Prozent des gesamten Nettovermögens besitzt, nennen die oberen zehn Prozent nunmehr 53 Prozent ihr Eigen - Tendenz stark steigend. Vor 14 Jahren besaßen die reichsten Deutschen nur 45 Prozent. Das ist nicht gut und könnte die Stabilität der Gesellschaft gefährden.

Die soziale Durchlässigkeit hat sich dabei verbessert, immerhin wachsen weniger Kinder unter Hartz-IV-Bedingungen auf. Gesunken ist auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Besonders stark ist die Arbeitslosigkeit unter den Zuwanderern zurückgegangen. Auch die finanzielle Situation der älteren Deutschen sieht der Bericht als überdurchschnittlich gut an.

Dennoch steigt das Risiko, arm zu werden. Immer mehr Menschen müssen unter äußerst schwierigen Bedingungen ihre Brötchen verdienen. Jeder Vierte arbeitet als Minijobber, befristet Beschäftigter oder Leiharbeiter, was meist mit einem geringeren Verdienst verbunden ist. Auch leistet sich das reiche Deutschland immer noch einen erschreckend hohen Anteil an Jugendlichen, die auch nach neun Jahren Schule nicht richtig schreiben und ­lesen können.

Der Staat zeigt sich als Verlierer der Finanz- und Eurokrise. Während die privaten Vermögen darunter scheinbar kaum gelitten haben, verbuchte die öffentliche Hand einen drastischen Rückgang ihres Nettovermögens, der sich mit den Rettungsmaßnahmen beschleunigt hat. Vor diesem Hintergrund wäre es angebracht, über einen höheren Solidarbeitrag der Vermögenseigentümer nachzudenken. Leisten könnten sie es sich: Das Vermögen der privaten Haushalte hat sich in den letzten 20 Jahren mehr als verdoppelt.

von Antje Schroeder

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der politische Kommentar