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Der politische Kommentar Antrittsrede macht Lust auf mehr
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01:38 24.03.2012

In seiner ersten wichtigen Rede als Präsident hat der frühere Rostocker Pfarrer auf seine ganz eigene Weise gezeigt, dass er sich zuerst als ein Mutmacher und Vertrauensstifter sieht. Er versteht sein Amt nicht als oberster Levitenleser und Zeigefinger der Nation, sondern als mitmachender, verstehender und lernender Sinnstifter. Diese erste größere Rede Gaucks im neuen Amt macht Lust auf mehr.

So wie der große Willy Brandt einst das Wort "mehr Demokratie wagen" prägte, könnte der 72-jährige Gauck mit dem Motto "mehr Vertrauen wagen" das höchste Staatsamt prägen. Er hat jeden einzelnen Bürger eindringlich zu Vertrauen aufgerufen, Vertrauen zu sich selbst, Vertrauen in die Demokratie, in die Werte, die unser Gemeinwesen prägen und begründeten, in die Kraft der Gemeinschaft. Dabei hat der einstige DDR-Oppositionelle nicht pastoral idealisiert, sondern ist vom Hier und Heute, von den Sorgen, Nöten und Befindlichkeiten seiner Mitbürger ausgegangen. Den Ängsten von einer Spaltung der Gesellschaft in arm und reich, gebildet und weniger gebildet, in Gewinner und Verlierer, in hier geborene Deutsche und Hinzugekommene hält Gauck jedoch die Therapie des Mitmachens entgegen. Und zwar Regierenden und Regierten gleichermaßen.

Das ist nicht einfach. Denn es erfordert, dass sich die Politiker dem Volk, den Wählern und den Nicht-Wählern intensiver zuwenden, dass sie Politik von der Ebene des hohlen Politsprech herunterholen, verständlich machen, Alternativen aufzeigen, um Zustimmung werben. Demokratie ist keine Einbahnstraße, sondern sie braucht kräftigen Gegenverkehr. Zugleich mahnt Gauck, dass Demokratie vom Mitmachen des Volkes lebt. Runter von der bequemen Couch der Zuschauer-Demokratie, von der leicht nörgeln ist.

von Reinhard Zweigler