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Anspruch auf Transparenz

Breivik in den Medien: Ja! Anspruch auf Transparenz

Die Frage nach dem angemessenen medialen Umgang mit dem Verfahren gegen Anders Behring Breivik zu stellen, ist legitim, und sie wird richtigerweise so lange gestellt werden, bis der Massenmörder verurteilt ist.

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Doch die Frage darf nicht lauten: Soll das Geschehen im Gerichtssaal überhaupt in Wort und Bild verbreitet werden? Der Anspruch einer kollektiv traumatisierten norwegischen Öffentlichkeit auf uneingeschränkte Transparenz ist weitaus höher zu bewerten als das Risiko, durch die Berichterstattung sensationsgierigen Voyeuren oder gar Gesinnungsgenossen in die Hände zu spielen. Wie sollen sich Menschen denn ein Bild von der Zurechnungsfähigkeit Breiviks machen, wenn man sie nicht teilhaben lässt am Prozessgeschehen? Wie sollen Menschen das Urteil bewerten, wenn sie dabei auf gefilterte Verlautbarungen eines Gerichtssprechers angewiesen sind? Verantwortliches journalistisches Handeln bedeutet vor diesem Hintergrund, jeden offensichtlichen, politisch motivierten Inszenierungsversuch des Angeklagten einzuordnen, anstatt ihn der Öffentlichkeit schlicht vorzuenthalten. Denn auch das wäre letztlich ein - medialer - Inszenierungsversuch.

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