Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Wahl lokal Zukunftstechnologie soll Arbeit bringen
Mehr OP extra Bundestagswahl 2009 Wahl lokal Zukunftstechnologie soll Arbeit bringen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:38 10.09.2009
Diskutierten über Arbeit, Bildungschancen und Mindestlohn: Jörg Behlen (von links), Sören Bartol, Rainer Dolle (Geschäftsführer Arbeit und Bildung), Henning Köster, Matthias Knoche und Stefan Heck. Quelle: Christina Muth

Marburg. Vor der Podiumsdiskussion mit den fünf Direktkandidaten gaben die rund 100 Besucher im Stadtverordnetensitzungssaal am Mittwoch auf einer Tafel ihre Stimme ab - zunächst war die SPD eindeutiger "Wahlsieger" vor den Linken, CDU, FDP und Grünen. Nach rund zwei Stunden Diskussion wurde erneut um die Meinung der Zuhörer gebeten.

Anwesend waren Erwerbslose, die eine berufspraktische Weiterbildung in einer der Einrichtungen von Arbeit und Bildung absolvieren. Im Vorfeld hatten die Zuhörer Fragen erarbeitet, die von den Kandidaten beantwortet wurden. Sie wollten wissen, wie und in welchen Bereichen neue Arbeitsplätze geschaffen werden können. CDU-Kandidat Stefan Heck beurteilte die Situation im Landkreis als gut. Man müsse "verstärkt auf Zukunftstechnologien setzen."

Diese Aussage steht für Grünen-Vertreter Matthias Knoche im Widerspruch zum Plan der Union, an der Atomenergie festzuhalten. Vor allem die Sektoren Pflege und Gesundheit böten viele Möglichkeiten für die Schaffung neuer Arbeitsplätze. "Die SPD hält weiter am Ziel der Vollbeschäftigung fest", erklärte Sören Bartol. Jugendarbeitslosigkeit kannten viele der Zuhörer aus ihrer eigenen Biografie. Dementsprechend fragten sie die Kandidaten, wie dieses Problem wirksam bekämpft werden könne.

Stefan Heck nannte das Modell der "SchuB-Klassen", der Kombination von Schule und Betrieb. Diese in Hessen eingeführten Förderklassen bezeichnete Heck als „die Zukunft der Hauptschule". Die Ausbildung sollte nicht erst bei der Berufswahl ansetzen, bereits im Kindergarten und in der Schule müssten die Weichen gestellt werden, erläuterte Bartol. Mit dem Ausbildungspakt seien in den vergangenen Jahren viele Erfolge erzielt worden, dennoch sei durch die Wirtschaftskrise ein Einbruch auf dem Lehrstellenmarkt zu erwarten. Der Ausbildungspakt habe nicht dazu beigetragen, mehr Jugendliche in Ausbildung zu bringen, hielt Henning Köster (Linke) dagegen. "Es ist eine Vielzahl von Maßnahmen nötig", forderte er und zählte die Angebote von Arbeit und Bildung sowie eine stärkere Förderung von Praktika dazu. Laut Grünen-Kandidat Knoche ist eine Überarbeitung des Dualen Systems in der Ausbildung vonnöten. Stefan Heck erklärte eine "Einheitsschule" zum längeren gemeinsamen Lernen zu "großem Unsinn." Man müsse vielmehr dafür sorgen, dass die Hauptschule aufgewertet werde.

"Bildung ist Ländersache", sagte Jörg Behen (FDP) und erntete Zustimmung von Bartol, Köster und Knoche. "Gerade die, denen es am schlechtesten geht, bekommen am wenigsten Geld aus den Bildungsprogrammen." Es müsse Aufgabe des Bundes werden, Rahmenbedingungen für Schule und Bildung in den Ländern aufzustellen, stimmte Bartol zu. Auch Köster forderte mehr Koordination seitens der Bundesregierung. "Bildung ist eine nationale Sache. Die Kleinstaaterei in den Ländern muss aufhören", erklärte Matthias Knoche.

von Christina Muth