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Bartol und Heck Kopf an Kopf gen Berlin

Endspurt Bartol und Heck Kopf an Kopf gen Berlin

Wer vertritt den Wahlkreis Marburg-Biedenkopf in den nächsten vier Jahren in Berlin? Nach menschlichem Ermessen kommen dafür nur Sören Bartol (SPD) und Stefan Heck (CDU) in Frage.

Marburg. Beide Kandidaten haben die gleiche Ausgangslage: Sie sind nicht über Landeslisten abgesichert und müssen den Wahlkreis gewinnen, um dem nächsten Deutschen Bundestag anzugehören. Bartol vs. Heck: Wer obsiegt am Sonntag? Die OP versucht, auf diese Frage anhand von einigen harten, weil objektiven Kriterien und mithilfe einiger weicher, weil in ihrer Wirkung nicht sicher beurteilbaren Parameter, eine Antwort zu geben. Gewertet wird nach dem vom Schach bekannten System: Für den Sieg gibt es 1:0 Punkte, ein Remis mit 0,5:05 Punkten gewertet.

Bundestagswahl 2005

Sören Bartol gewinnt den Wahlkreis zum zweiten Mal in Folge für die SPD. Und wie: Fast16 000 Stimmen Vorsprung (47,5 zu 36,6 Prozent) vor seinem CDU-Mitbewerber Frank Gotthardt sind ein dickes Brett, das den Wahlkreis eigentlich zu einer uneinnehmbaren Festung für die Sozialdemokraten macht. Klarer Vorteil Bartol. Zwischenergebnis: Bartol vs. Heck 1:0

Landtagswahl 2009

Unter dem Eindruck des gebrochenen Wahlversprechens von Andrea Ypsilanti holt die SPD in Hessen ein historisch schlechtes Ergebnis. Die CDU wird im Landkreis stärkste Partei und gewinnt den Wahlkreis Marburg-Biedenkopf West. Dr.Christean Wagner hat 2 500 Vorsprung vor seinem SPD-Mitbewerber Detlef Ruffert. Den Wahlkreis Marburg-Biedenkopf Ost verteidigt Dr. Thomas Spies mit 1 100 Stimmen vor dem CDU-Kreisvorsitzenden Frank Gotthardt. In der Addition beider Wahlkreise liegt die Union mit 1 400 Stimmen vorn. Vorteil Heck. Zwischenergebnis: Bartol vs. Heck 1:1

Umfragen

Die großen Umfrageinstitute ermittelten zuletzt für die Union einen Vorsprung zwischen acht und elf Prozent vor der SPD. Vorteil Heck. Zwischenergebnis: Bartol vs. Heck 1:2

Leihstimmen

Nach Erkenntnissen der Wahlforschung funktioniert der Automatismus des Stimmensplittings nicht mehr. War es früher üblich, dass die Anhänger der kleineren Parteien zu einem beträchtlichen Teil mit der Erststimme den Wahlkreiskandidaten des potentiellen Koalitionspartners ihrer Partei wählten, vergeben die Wähler zunehmend beide Stimmen an ihre Partei. Bei der Landtagswahl am 18. Januar verbuchten die Kandidaten von FDP, Grünen und Linkspartei in den beiden heimischen Wahlkreisen stolze 25,2 beziehungsweise 22,9 Prozent. Dieser Trend könnte sich am Sonntag noch verstärken. FDP-Kandidat Jörg Behlen führt einen sehr engagierten Wahlkampf und wirbt ausdrücklich um beide Stimmen für die FDP – zu Lasten von Stefan Heck. Am linken Rand werden Sören Bartol Stimmen wegbrechen, denn Henning Köster (Die Linke) führt einen entschiedenen Erststimmenwahlkampf für sich. Zudem wird es von den Grünen – im Gegensatz zu 2005, als Elke Siebler zur Wahl Bartols aufrief – keine Leihstimmenkampagne geben. Grünen-Kandidat Matthias Knoche gibt den Wählern seiner Partei keine Erststimmen-Empfehlung. Die kleinen Parteien werden gegenüber 2005 (Grüne 4,0 Prozent, FDP 3,8 Prozent) und Linke (4,8 Prozent) bei den Erststimmen deutlich zulegen. Ob Bartol oder Heck mehr darunter zu leiden haben, lässt sich seriös nicht vorhersagen. Daher die Wertung: Remis. Zwischenergebnis:Bartol vs. Heck 1,5:2,5

Hessische Altlasten

Beide Kandidaten tragen schwere hessische Hypotheken mit durch diesen Wahlkampf. Der Wortbruch Andrea Ypsilantis, die nach der Landtagswahl 2008 entgegen ihrer Wahlversprechen doch versuchte, mit Unterstützung der Linken ein Regierungsbündnis zu schmieden, vergrätzt viele SPD-Wähler zutiefst. Der Umgang mit den vier SPD-Abweichlern um Silke Tesch macht die Sache nicht besser. Letztlich bekommt auch der eher zu den konservativen SPD-Pragmatikern zählende Sören Bartol den Linksruck der Hessen-SPD unangenehm zu spüren. Sein Landesverband schlägt den Vorsitzenden der hessischen SPD-Bundestagsgruppe nicht für Platz zwei oder drei, sondern für Rang 17 vor. Eine – gelinde gesagt – kuriose Entscheidung.

Das von Stefan Heck zu tragende Päckchen wiegt nicht minder schwer. Mit der Entscheidung zur Privatisierung des Uni-Klinikums und für die Einführung von Studiengebühren hinterlässt die CDU-geführte hessische Landesregierung für ihre Partei und deren Kandidaten im 82 000 Einwohner zählenden Marburg auf Jahre verbrannte Erde. Das muss Frank Gotthardt in den vergangenen vier Jahren mit drei Niederlagen bei einer Bundestagswahl und bei zwei Landtagswahlen schmerzlich erfahren. Zudem verspielt die Hessen-CDU mit der gegen vielstimmigen Expertenrat überhastet und dilettantisch eingeführten gymnasialen Schulzeitverkürzung G8 viel Kredit. Wertung: Remis. Zwischenergebnis:Bartol vs. Heck 2:3

Wahlkampf

Beide Kandidaten machen mit höchstem Einsatz Wahlkampf. Gemeinsam ist ihnen eine sympathische Ausstrahlung. Mit der Erfahrung von sieben Jahren Bundestag im Rücken wirkt Bartol souveräner, Heck punktet mit seiner Verbindlichkeit. Bartols großes Plus: Der Sozialdemokrat kann auf seinen Fachgebieten Verkehrswesen, Städtebau und Stadtentwicklung konkrete Erfolge vorweisen, und er erfreut sich großer Rückendeckung aus Berlin. Bartol holt den Kanzlerkandidaten, den Parteivorsitzenden, einen Bundesminister, den Generalsekretär sowie hochrangige SPD-Fachpolitiker in seinen Wahlkreis. Mehr geht wirklich nicht.

Ein Novize wie Heck erfährt eine so große Unterstützung nicht. Dennoch punktet auch der 27-Jährige: Mit seinem lebensnahen Wahlprogramm, seiner Selbstverpflichtung zur Bürgernähe und seinem neuen Veranstaltungsformat, Politik und Bürger im lockeren Rahmen einer Weinprobe miteinander ins Gespräch zu bringen. Und diese Bürgergespräche trägt der Christdemokrat zwischen Oberdieten und Neustadt buchstäblich in jeden Winkel des Kreises. Dennoch heißt es wegen der größeren Außenwirkung: Vorteil Bartol. Endstand:Bartol vs. Heck 3:3Der Gleichstand zeigt, wie knapp es am Sonntag werden kann. Das erwartet auch die Demoskopie. In lokalen Umfragen, die sich allerdings in der Vergangenheit nicht immer als realitätsnah erwiesen haben, liegen beide Kandidaten nach OP-Informationen fast gleichauf.

von Matthias Mayer

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