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Sören Bartol (SPD) "Voller Einsatz ist erforderlich"
Mehr OP extra Bundestagswahl 2009 Sören Bartol (SPD) "Voller Einsatz ist erforderlich"
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13:03 15.09.2009
Ausbilder Werner Krug (hinten von links) erklärt Minister Olaf Scholz, Sören Bartol und SPD-Unterbezirksvorsitzendem Detlef Ruffert, wie eine Prüfbox zur Fehlersuche an das Motorsteuergerät eines Autos angeschlossen wird. Quelle: Christina Muth

Marburg. Während eines Rundgangs durch die Werkstätten des BBZ (Berufsbildungszentrum) informierte Geschäftsführer Hans Schön den Minister über die Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten des BBZ. Zur Zeit absolvieren dort rund 40 Teilnehmer eine Umschulung, "pro Jahr werden rund eine Million Unterrichtsstunden bei uns geleistet", erklärte Schön. Mit rund 50 Vertretern heimischer Betriebe, der IHK, Kreishandwerkerschaft und Weiterbildungsträgern diskutierte Olaf Scholz anschließend über die Situation auf dem Arbeitsmarkt, Möglichkeiten der Betriebe, während Kurzarbeitsphasen Qualifizierungsmaßnahmen für die Mitarbeiter anzubieten und die Schwierigkeiten bei der Ausbildungsplatz- und Bewerbersuche. Waldemar Droß (Geschäftsführer der Agentur für Arbeit) und Andrea Martin (Leiterin des Kreisjobcenters) gaben einen Überblick über die aktuellen Zahlen der Erwerbslosen. "Wir haben die Krise sehr schnell gespürt", sagte Andrea Martin. Die Anzahl der Personen, die die Hilfe des Kreisjobcenters in Anspruch nehmen, sei in den vergangenen zwölf Monaten um rund 1 000 gestiegen. Durch Mittel aus dem Konjunkturpaket konnten im Kreisjobcenter elf zusätzliche Fallmanager eingestellt und 400 neue Maßnahmen organisiert werden. Wie wichtig die Qualifizierung von Mitarbeitern für die Betriebe ist, führte der Arbeitsminister aus: Gerade in Zeiten der Kurzarbeit sei es unerlässlich, Mitarbeiter weiter zu qualifizieren. "Ich würde mir wünschen, dass die Unternehmen noch stärker Gebrauch von Qualifizierungsmaßnahmen machen", sagte Scholz. In diesem Zusammenhang sei es auch wichtig, dass im Kreisjobcenter die zusätzlichen Stellen geschaffen wurden. Der demografische Wandel macht sich auch auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: Die Arbeitnehmer werden zunehmend älter, während die Zahl der Schulabgänger kontinuierlich abnimmt. "Wie geht es weiter auf dem Ausbildungsmarkt?", wollte Sören Bartol wissen. "Die Anzahl der Ausbildungsplätze wird auch in diesem Jahr zurückgehen", prognostizerte Scholz. Im Bezirk der Arbeitsagentur Marburg stehen 1 492 Ausbildungsstellen 1 547 Bewerber gegenüber. Der Rechtsanspruch auf einen Hauptschulabschluss, der geschaffen wurde, könne helfen, die Schere zwischen Plätzen und Bewerbern zu schließen. "Am Ende soll erreicht werden, dass keiner mehr ohne Qualifizierung durch das Arbeitsleben gehen muss", so der Arbeitsminister. Die Bereitschaft zur Qualifizierung sei hoch, erklärte Waldemar Droß, dennoch werde es weiterhin Personen geben, die ohne Hilfe keine Ausbildung abschließen können. Er befürchtete, die Angebote der außerbetrieblichen Ausbildung könnte Sparkursen zum Opfer fallen. Scholz sieht die Möglichkeit der außerbetrieblichen Ausbildung nicht als einzige Lösung für Jugendliche, die keine Berufsausbildung abschließen können. Er appellierte an die Unternehmen, "zu schauen, welche ausbildungsungeeigneten Bewerber möglicherweise doch eine Ausbildung absolvieren können." Durch geeignete Qualifizierungsmöglichkeiten im Betrieb können so bislang angelernte Hilfsarbeiter eine Ausbildung zum Facharbeiter beginnen. "Hier ist voller Einsatz erforderlich", stellte Scholz fest. Zur Qualifizierung ungelernter und älterer Mitarbeiter werde es weiterhin das WegGebAU-Programm (Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in Unternehmen) geben. Was die Qualifizierung von älteren Beschäftigten über 45 betrifft, galt das Förderprogramm bislang für Betriebe bis zu 250 Beschäftigten. "Diese Zahl wird im kommenden Jahr entfallen", kündigte Scholz an.
von Christina Muth