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Jörg Behlen (FDP) Für die FDP: Jörg Behlen
Mehr OP extra Bundestagswahl 2009 Jörg Behlen (FDP) Für die FDP: Jörg Behlen
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15:43 28.08.2009
Jörg Behlen führte in den vergangenen Wochen seinen Wahlkampf vom Mähdrescher aus. Quelle: Uwe Brock

Marburg. Ein Leben auf dem Hofgut Fortbach, das im Ebsdorfer Grund südwestlich des Dörfchens Ilschhausen liegt, kommt der Vorstellung von einem Leben am Ende der Welt womöglich sehr nahe. "Hier endet tatsächlich die Straße", sagt Jörg Behlen und lacht. Der 41-Jährige ist gemeinsam mit Ehefrau Annette Behlen auf dem Hofgut zu Hause. Das Paar erwartet derzeit sein erstes Kind. In den zurückliegenden Wochen rückte die Arbeit auf dem Hof für den Agraringenieur trotz Wahlkampf nicht etwa in den Hintergrund. Das wäre mitten in der Erntezeit auch gar nicht möglich gewesen. Also führte Behlen seinen Wahlkampf einstweilen vom Mähdrescher aus. "Das geht", erklärt er. "Mein Referent Hanke Bokelmann, der auch als Erntehelfer hier ist, sitzt dann mit dem Laptop auf dem Beifahrersitz und wir planen unsere Aktionen."
Jörg Behlen lebt vom Ackerbau, der Angus-Mutterkuh-Zucht, einer Kornbrennerei und einem landwirtschaftlichen Ökobetrieb. Seinen Hof, zu dem 400 Hektar Land gehören, übernahm er 2002 von den Eltern. "Das war ein schwieriger Abwägungsprozess", erinnert er sich. Nach Bundeswehrzeit, Lehre und Studium lebte Behlen mit seiner jetzigen Ehefrau in Wiesbaden. Dort arbeitete er in einer Unternehmensberatung. "Das Leben, das wir dort führten, empfanden wir auch als schön. Aber unser jetziges Leben bietet für Ehe und Familie mehr", sagt er und erklärt: "Man kann gemeinsam die Mahlzeiten einnehmen, man hat einfach mehr von seinem Partner in der Landwirtschaft."
Jörg Behlen gehört seit 1999 der FDP an. Sich selbst bezeichnet er als bewahrend und konservativ. Über dies stellt er jedoch den "liberalen Gedanken": "Am wichtigsten ist, dass jeder seinen persönlichen Standpunkt vertritt, ihn anderen Menschen aber nicht aufzwingt", erklärt der 41-Jährige. Diese Haltung will der Landwirt in die Politik tragen.
"Menschen müssen sich gegenseitig in ihrer Andersartigkeit akzeptieren, das ist ganz wichtig für die Integrations- und für die Bildungspolitik", sagt er. Jörg Behlen und die FDP kämpfen im heimischen Wahlkreis um die Erst- und Zweitstimme der Wähler. Der Kandidat will ausdrücklich kein Berufspolitiker sein, hofft aber auf ein möglichst starkes Ergebnis für seine Partei und auch für seine Person. "Wir sind eine eigenständige Partei mit eigenständigem Programm, da sollte der Kandidat auch für sich selbst werben", erklärt er.
Als Selbstständiger bekommt Behlen keinen Sonderurlaub, für die Ausfallkosten durch den Wahlkampf tritt er selbst ein. "Der Wille, sich einzubringen, muss dann schon sehr groß sein", meint der Kandidat und verweist darauf, dass Politik auch ein enormes Risiko sei. "Wenn man vier Jahre dabei war und in seinen Beruf zurück muss, weil der Wähler einen abgewählt hat, dann muss der Beruf ja noch da sein."
Ohnehin ist Jörg Behlen gegen Berufspolitiker-Karrieren. "Das war in der Demokratie nie vorgesehen, dass jemand
eine 20-jährige Politik-Karriere macht und sein gesamtes Wohl und Wehe auf die Partei aufbaut", erklärt er und kritisiert, dass die Parteien immer mehr dazu übergingen, Kader zu etablieren: "Als Student möglichst Mitarbeiter eines Politikers sein und später über Mandate Einkommen generieren - wenn es dann um schwerwiegende Gewissensentscheidungen geht, können solche Menschen nie im Leben nein sagen", führt der Kandidat aus und begehrt gegen dieses "parteiübergreifende Übel" auf: "Wir müssen neue Berufsgruppen in die Parlamente bringen, nicht nur Beamte und Juristen", betont der stellvertretende FDP-Kreisverbandsvorsitzende.
Jörg Behlen will den Menschen gern die Wahrheit sagen, "auch, wenn man dann als Miesepeter oder Skeptiker hingestellt wird". Er zitiert den luxemburgischen Politiker Jean-Claude Juncker: "Wir wissen zwar, was zu tun wäre, wir wissen aber nicht, wie wir hinterher noch gewählt werden sollen." Dass es so nicht mehr weitergeht mit der enormen Überschuldung, dass die sozialen Sicherungssysteme vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht halten werden - all das sei der Politik bewusst. "Aber kaum einer ist bereit, die Wahrheit zu sagen." Vielmehr lerne jeder Politiker früher oder später folgende Lektion: "Lieber vorsichtig sein, lieber mehr Hoffnung wecken." Wenngleich er vorsichtig ist mit dem Wecken von Hoffnungen, so hofft er doch selbst: etwa auf eine Vereinfachung des deutschen Steuersystems. "Wir haben das komplizierteste Steuerrecht der gesamten Welt. 80 Prozent der Steuerfachliteratur erscheint in Deutschland", sagt Jörgen Behlen. "Über 1 000 Ausnahmeregelungen - das ist doch unvernünftig.
Ein Spitzensteuersatz von 35 Prozent, "der dann auch wirklich gilt", sei allemal besser "als ein nominaler Spitzensteuersatz von 48 Prozent, den aber kein Mensch zahlt", ist sich Behlen sicher: "Wenn die Politik die Sonderregelungen abschafft, wird der Staat mehr Einnahmen haben."
Behlen setzt vor allem auf eine Stärkung der Familien. Er plädiert unter anderem für einen höheren Steuerfreibetrag für Kinder. Ein weiteres großes Thema für den Kandidaten: Bildungs-Chancen. "Wir erkennen, dass zwischen sozialer Schicht und Bildungsabschluss in Deutschland wie in keinem anderen Land der Welt ein Zusammenhang besteht", sagt er und bedauert, dass "sich die Parteien 40 Jahre lang Grabenkämpfe um dreigliedriges Schulsystem und Gesamtschule geliefert haben". Dass Menschen einen guten Bildungsabschluss erlangen, sei nämlich keine Frage des Schulsystems. "Wir müssen mehr Geld in Bildung stecken", fordert Behlen, der den Schulen mehr persönliche Unabhängigkeit geben würde. "Sie sollten einen Großteil ihres Budgets selbst verwalten können, damit sie ihre Schule als eigenes Projekt empfinden." Für den Kandidaten steht nicht nur hinsichtlich der Schulen fest: "Wenn alles nur von oben kommt, dann wird es als fremdbestimmt empfunden." Er selbst setzt auf Freiwilligkeit und wehrt sich gegen Verbote, etwa auch hinsichtlich grüner Gentechnik. "Ich persönlich bin dagegen. Ich bin aber auch dagegen, dass man sie verbietet", sagt der Agrarwirt, der sich selbst zum Verzicht auf Agrogentechnik verpflichtet hat.

von Carina Becker

Im Internet ist Jörg Behlen unter www.jörg-behlen.de präsent. Bei www.twitter.com ist Behlen unter FDPBehlen zu finden.