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Henning Köster (Die Linke) Für die Linke: Henning Köster
Mehr OP extra Bundestagswahl 2009 Henning Köster (Die Linke) Für die Linke: Henning Köster
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15:49 28.08.2009
Quelle: Uwe Brock
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Marburg. Heute bekennt sich der Bundestagskandidat der Linken im Wahlkreis Marburg-Biedenkopf zu den "Idealen des demokratischen Sozialismus". Diese Überzeugung wurde dem Wahl-Marburger allerdings nicht in die Wiege gelegt. Henning Köster wuchs in Olpe auf - dort wo das Sauerland besonders katholisch, bodenständig und konservativ ist. Auch in seinem katholischen Elternhaus wurde konservativ gedacht und gewählt: Sein Vater war CDU-Fraktionsvorsitzender im Stadtparlament. "Ich habe mich schon als Schüler von meinem Elternhaus politisch emanzipiert, wobei die SPD mein Emanzipationsfaktor war", erzählt der 59-Jährige. Willy Brandts Kniefall in Warschau beeindruckte, den jungen Sauerländer tief, der von der SPD damals praktizierte Kurs der Erneuerung motivierte ihn zur Mitarbeit. 1969 machte Hennig Köster Wahlkampf für Brandt und trat in die Partei ein.
Die Freude am sozialdemokratischen Dasein währte nicht lang. Desillusioniert durch die Berufsverbote und die Haltung der SPD zum Vietnamkrieg verließ er die Partei wieder. Der zweite Bruch in seiner politischen Biografie, der ihn schließlich 1975, auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs, in die DKP führte. Warum der weite Schritt von der SPD zu den orthodoxen Kommunisten? Henning Köster, der damals schon in Marburg lebte, nennt drei Gründe für diese Entscheidung: "Die sehr aktive Rolle", die die DKP in der Marburger Kommunalpolitik spielte, die Chile-Politik und seinen persönlichen Respekt vor den Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime unter den DKP-Mitgliedern. Der dritte Bruch im politischen Denken Kösters kam im Wendeherbst 1989 mit dem Untergang der DDR.
"Ich habe die Wendezeit sehr bewusst miterlebt. Die Bilder der Menschen, die nach der Maueröffnung wie befreit in den Westen strömten, haben mich sehr bewegt, sie haben bei mir einen Gefühlsstau aufgelöst", sagt Köster und erzählt von persönlichen Zweifeln gegenüber dem Kurs von SED und DKP, die er damals schon länger gehegt habe. Während der Marburger DKP die Parteibücher in den Hausflur geworfen wurden, arbeitete Köster seine Parteivergangenheit auf, befreite sich "vom Dogmatismus und der politischen Unmündigkeit der DKP."
Am Ende stand für ihn die Erkenntnis, dass "Sozialismus, Demokratie und Freiheit untrennbar zusammengehören." Die DKP machte sich diese Erkenntnis nicht zu eigen und verlor das Mitglied Henning Köster. Der verheiratete Vater eines Sohnes nahm sich parteipolitisch eine Auszeit und schloss sich schließlich der PDS an, weil die Partei ihre Vergangenheit aufgearbeitet habe und zudem das Thema soziale Gerechtigkeit glaubwürdig besetze.
Köster engagierte sich sich in verschiedenen Funktionen in der Marburger Kommunalpolitik, um "einen Kontrapunkt zur neoliberalen Politik" zu setzen. Verschiedentlich gelang es ihm, Mehrheiten für seine Überzeugung zu organisieren. Darüber hinaus gewann der belesene Kommunalpolitiker mit der freundlichen Ausstrahlung im Parlament persönliche Wertschätzung - auch beim politischen Gegner.
Wenn er heute für den Bundestag kandidiert, dann bewegen ihn dazu im wesentlichen drei Punkte:
Hartz IV
Der Bundeswehreinsatz in Afghanistan
Die Bahnprivatisierung
"Ich habe zu diesen drei Punkten auch altersbedingt meine Lebenserfahrungen gemacht. Hartz IV spaltet die Gesellschaft, grenzt Menschen aus und demütigt sie", fordert Köster ebenso eine Rücknahme der Hartz-Gesetze wie den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan. Der Wehrdienstverweigerer findet keine Rechtfertigung für Kriegseinsätze und ergänzt: "Wer Jahrgang 1949 ist, hat kein leichtfertiges Verhältnis zum Krieg." Die geplante Bahnprivatisierung ärgert den Spross einer Eisenbahnerfamilie und Bahnkunden maßlos: "Man kann keinen attraktiven Verkehr auf der Schiene mit dem Ziel der Gewinnmaximierung anbieten. Die Bahn fährt auf Verschleiß", klagt er und verweist auf den schlechten Zustand des rollenden Materials und das deprimierende Erscheinungsbild vieler Bahnhöfe.
Ein vierter Punkt ist dem Kandidaten schon aus beruflichen Gründen wichtig. Der angestellte Lehrer wirbt für mehr Bildungsgerechtigkeit und längeres gemeinsames Lernen. Köster unterrichtet an der Stadtallendorfer Gesamtschule, und er tut dies sehr gern: "Das ist eine gute und gut ausgestattete Schule mit einem angenehmen Klima und interessanten Schülerinnen und Schülern."
von Matthias Mayer

Im Internet ist Henning Köster unter www.henning-koester.com präsent. Bei www.twitter.com ist Henning Köster unter DieLinkeKoester zu finden.

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