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"Bahn müsste aufgewertet werden"

Das Kurzinterview "Bahn müsste aufgewertet werden"

Die OP sprach mit Henning Köster. Wahlkreis-Kandidat der Linken, über die Zukunft der Deutschen Bahn.

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OP : Warum halten Sie die geplante Teilprivatisierung der Deutschen Bahn für schädlich?
Henning Köster : Ich möchte zunächst feststellen: Die drohende Privatisierung der Bahn und die Tatsache, dass der heimische Bundestagsabgeordnete diese von Anfang an gutgeheißen hat und auch unbelehrbar daran festhält, ist für mich das wesentliche Motiv, auch einen Erststimmenwahlkampf zu führen. Ich halte die Pläne für schädlich, die jetzt nur wegen der Finanzmarktkrise auf Eis gelegt wurden, weil diese schon im Vorfeld zu erheblichen Verschlechterungen für die Bahnkunden geführt haben, die ich auch als leidenschaftlicher Bahnfahrer häufig erlebe. Ich sehe stillgelegte Bahnhöfe, ich sehe stillgelegte Bahnstrecken...
OP : ...die nur dann stillgelegt werden, wenn das entsprechende Bundesland vorher den Schienenverkehr auf dieser Strecke abbestellt hat.
Köster : Ich beklage, dass die öffentliche Hand - egal ob Bund oder Land - viel zu wenig Geld in die Schiene investiert. Das ist unsinnig, weil die Bahnnutzung sowohl eine ökologische als auch eine soziale Frage ist. Die Bahn müsste aufgewertet werden, mehr Menschen müssten sie nutzen. Wenn aber die Qualität durch Personalabbau, heruntergekommene Bahnhöfe und verschlissene Fahrzeuge heruntergefahren wird, verliert sie an Attraktivität. Ich wünsche mir attraktive und belebte Bahnhöfe. Stattdessen haben wir Geisterbahnhöfe. Die Gewerkschaft der Polizei beklagt für mein Empfinden zu Recht, dass menschenleere Bahnanlagen furchtbare Verbrechen wie das von München begünstigen. Wir brauchen wieder Personal auf den Bahnsteigen der U-Bahn, der S-Bahn und der Deutschen Bahn.
OP : Die Erlöse aus dem Verkauf stimmrechtsloser Aktien sollen dazu beitragen, den Investitionsstau bei der Deutschen Bahn aufzulösen. Dieser Aspekt der Teilprivatisierung kann Sie nicht locken?
Köster : Nein, weil ich denke, dass dies eine öffentliche Aufgabe ist. Die Bahn gehört zur öffentlichen Daseinsvorsorge, der Bahnverkehr kann sich aus kaufmännischer Sicht nicht rechnen. Der Straßenbau rechnet sich aber auch nicht. Kein Autofahrer könnte jemals - mit allen Infrastrukturmaßnahmen - sein Autofahren selber finanzieren. Ich halte den Versuch, die Bahn börsentauglich zu machen, nicht für gut. Das führt automatisch zu Serviceabbau, zu weniger Kundenfreundlichkeit. Die Bahn wird unter diesen Rahmenbedingungen leider heruntergewirtschaftet, ohne dass ich sie schlecht reden möchte, weil ich sie noch immer für die bessere Alternative im Vergleich zum Auto halte.
OP : Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass reine Staatsbahnen besser funktionieren? Das Chaos auf den maroden Gleisen der DDR-Reichsbahn war so groß, dass die DDR-Bürger es in einem Witz beschrieben haben: "Wer ist der beste Schachspieler der Welt? Der DDR-Verkehrsminister. Ihm gelingt es täglich, mit sehr wenigen Zügen ein ganzes Land matt zu setzen."
Köster : Ich habe die DDR-Staatsbahn kaum erlebt, sehr wohl aber die bundesdeutsche Staatsbahn. Ich kann mich an belebte Bahnhöfe erinnern mit längeren Öffnungszeiten an den Fahrkartenschaltern, mit Personal in der Halle und auf den Bahnsteigen, mit Güterumschlag auch auf kleineren Bahnhöfen, mit der Möglichkeit, das Reisegepäck aufzugeben oder sperrige Güter mit der Bahn zu verschicken. Das war ein Zustand, zu dem wir wieder kommen müssten. Stattdessen wird soviel Personal abgebaut, dass die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, wie das Beispiel der auf Verschleiß gefahrenen Berliner S-Bahn zeigt. Das kann es nicht sein.
von Matthias Mayer

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