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150 Jahre Oberhessische Presse Der Zeitungstext muss schön aussehen
Mehr OP extra 150 Jahre Oberhessische Presse Der Zeitungstext muss schön aussehen
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19:50 17.05.2016
Marburg

Ein Hurenkind ist die letzte Zeile eines Absatzes, die alleine in der nächsten Textspalte steht. Die neue Textspalte beginnt also mit nur einer halben Zeile, dann folgt schon ein Absatz, bevor der Text weiter geht. Das sollte vermieden werden, denn es sieht optisch nicht gut aus und stört den Lesefluss.

Den Begriff Hurenkind haben die Schriftsetzer für dieses abrupte Zeilenende am Anfang der Spalte geprägt, weil dieser Textteil den Zusammenhang zu seinem Absatz – also seine „Herkunft“ – verloren hat. Hurenkinder gelten als besonders schwere handwerkliche Fehler im Schriftsatz.

Das Gegenstück zum Schusterjungen

Das gilt vor allem bei Büchern, wenn nach dem Umblättern einer Seite der Text nach einer Zeile endet. Die neue Doppelseite beginnt dann mit einem losen Satzfragment, das völlig alleine steht. Leser müssen dann oftmals zurückblättern und den ersten Teil des Satzes nochmal lesen, um den Zusammenhang des Textes für sich selbst wiederherzustellen. Weniger gängig ist die heutige Bezeichnung „Witwe“ anstelle des „Hurenkinds“ für den falsch umbrochenen Absatz.

In einem Atemzug mit dem Hurenkind wird der Schusterjunge genannt. Er ist das Gegenstück und bezeichnet einen ähnlichen Fehler beim Umbrechen eines Textes. Der Schusterjunge ist die erste Zeile eines neuen Absatzes, die am unteren Ende einer Spalte oder Seite steht. Erst in der nächsten Spalte oder auf der nächsten Seite geht es mit der zweiten Zeile des Textes weiter.

Das bedeutet: Ein neuer Absatz sollte mindestens zwei Zeilen lang sein, bevor eine neue Spalte beginnt. Der Schusterjunge gilt im Vergleich zum Hurenkind als weniger gravierender Fehler. Heute wird der Schusterjunge auch als „Waise“ bezeichnet.

von Patricia Grähling