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150 Jahre Oberhessische Presse Beim Zeitungsaustragen verliebt
Mehr OP extra 150 Jahre Oberhessische Presse Beim Zeitungsaustragen verliebt
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20:21 16.05.2016
Jede Nacht tragen Anja Clös-Rusch und Heinz Klein die Oberhessische Presse aus. Manche Strecken gehen sie gerne mal gemeinsam, um viel Zeit miteinander zu verbringen.Foto: Patricia Grähling Quelle: Patricia Graehling
Goßfelden

Eigentlich ist Heinz Klein Dachdecker. Als vor 20 Jahren sein Chef in den Ruhestand ging und die Firma schloss, machte er sich jedoch selbstständig. Allerdings nicht als Dachdecker: Klein fährt seither Zeitungen aus. „Am Anfang habe ich die Hex-Tour gefahren“, erklärte er. Den „Hinterländer Express“ fuhr er nach Gladenbach und Endbach, immer rund 13.000 Exemplare. Später kam dann die Nacht-Tour für die OP dazu und Klein fuhr zehn Jahre lang die Tageszeitung jede Nacht gegen ein Uhr zu den Sammelpunkten, an denen die Austräger ihre Pakete abholten. „Da war immer was los, denn in der Stadt sind immer mal Päckchen Zeitungen weggekommen“, erinnert er sich zurück.

Später bekam er eine neue Tour, fuhr die Zeitung in der Nacht nach Wetter und Münchhausen. Und das war sein Glück: „Ich habe die Zeitungspakete immer an der Tankstelle in Wetter abgelegt“, erklärt Klein. Eines nachts habe er ein kleines Päckchen zuviel abgelegt. Als er es bemerkte, fuhr er zurück - und traf dadurch Anja Clös-Rusch, die sein Päckchen in der Hand hielt. „Das war aller Anfang“, sagt er mit einem Lachen. Er weiß noch genau: „Sie hatte die kleine Wetter-Tour, die Wetter acht.“ Die beiden kamen ins Gespräch, sie fragte ihn, ob sie nicht mal einen Kaffee zusammen trinken wollen. „Und sie wollte mal auf meiner Tour mitfahren“, erinnert Rusch sich.

Das ist mittlerweile zehn Jahre her. Zehn Jahre sind sie ein Paar und seit zehn Jahren arbeiten sie teilweise auch gemeinsam für die OP. „Manchmal ist sie auf meiner Hex-Tour mit einem zweiten Auto mitgefahren“, erzählt Klein. „Zusammen waren wir schneller fertig“, erklärt Clös-Rusch. Denn mit seinem Transporter konnte Klein nicht alle Hex-Exemplare mit einer Fahrt ins Hinterland bringen: „Der Transporter kann eine Tonne laden. Aber meine Hex-Ausgaben wogen mehr als zwei Tonnen“, so der 64-Jährige.

Mittlerweile wohnen die beiden in Goßfelden in einem Haus. „Vorher haben wir in einer Wohnung gelebt. Das ist aber nichts für uns“, sagt die 44-Jährige. Schließlich schläft das Paar, wenn andere gerade aufstehen, laut sind - und die beiden vom Schlafen abhalten.

Zusammen fahren die beiden immer um Mitternacht nach Marburg. Dann fängt ihr Arbeitstag an. Sie hilft ihm, den Transporter mit 250 OPs, Fremdzeitungen und Werbung zu beladen. Dann fahren sie gemeinsam in den Nordkreis. Er fährt seine Päckchen aus und sie beginnt, die Zeitungen auszutragen in Caldern und Göttingen. Wenn er die Päckchen abgeliefert hat, trägt er auch noch aus: Sarnau ist sein Gebiet. Gemeinsam tragen sie zum Abschluss dann noch Goßfelden aus. Insgesamt bis zu 400 Abonnenten haben sie dann mit ihrer Zeitung versorgt. Und während die Leser aufstehen und ihre Zeitung lesen, Frühstücken die beiden erst mal und gehen gegen sieben Uhr schlafen.

Im Winter sind manchmal Schuhspikes nötig

„Im Sommer macht die Arbeit richtig Spaß“, sagt Clös-Rusch mit einem Lächeln. Keine Taschenlampe, kein Schnee - dafür frühe Sonnenaufgänge. „Im Winter ist die Arbeit manchmal nicht ohne“, erklärt Klein. „Das letzte Glatteis Anfang des Jahres war schon ein Himmelfahrtskommando.“ Doch auch dann weiß das Paar sich zu helfen: „Dann kommen die Schuhspikes und wir laufen eben zu Fuß den Berg hoch, um die Zeitungen zu den Lesern zu bringen.“

von Patricia Grähling