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Hessen Verkehrspsychologe kritisiert Rentschs Schilderwald
Mehr Hessen Verkehrspsychologe kritisiert Rentschs Schilderwald
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21:18 06.08.2013
Hessens Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) enthüllt am Autobahnkreuz Darmstadt ein Schild, das vor einer Radarkontrolle warnen soll. Foto: Andre Hirtz Quelle: Andre Hirtz
Frankfurt

Der Frankfurter Verkehrssoziologe Alfred Fuhr hält Schilder, die vor Radaranlagen warnen für eine „rückwärtsgewandte Möglichkeit“. Die Technik sei bereits viel weiter, sagt Fuhr im Interview.

OP: Wie schätzen Sie die Wirkung von Warnschildern vor Radarfallen auf Autofahrer ein? Fahren die meisten dann wirklich langsamer?

Alfred Fuhr: Schilder haben am Anfang eine gewisse Präventivwirkung, auf Dauer aber nicht. Irgendwann tritt ein Gewöhnungseffekt ein und der Autofahrer nimmt die Schilder nicht mehr wahr, egal was darauf steht. Das zeigen Tests mit Leuten, die regelmäßig eine Strecke fahren. In Deutschland stehen außerdem schon genug Schilder herum.

OP: In Frankfurt gibt es elektronische Schilder, bei denen digital - je nach Tempo - „Langsam!“ in Rot oder „Danke“ in Grün aufleuchtet. Wie schätzen Sie deren Wirkung ein?

Fuhr: So ein kurzes Aufleuchten, also eine Rückmeldung, ein kurzer Dialog wirken sehr gut. Diese Anzeigen nutzen, dass das Gehirn reagiert, wenn sich etwas ändert. Der Gewöhnungseffekt wird auch dadurch vermieden, dass sie immer wieder an anderen Stellen stehen.

OP: Gibt es noch andere Beispiele?

Fuhr: Das plötzliche Aufleuchten von Zahlen (Tempo) hilft auch, weil es sich direkt auf mein Verhalten als Autofahrer bezieht. Oder wenn das Navi sagt: „Du fährst jetzt 60, bist aber in einer Tempo-30-Zone.“ Eine Rückmeldung, die mit mir zusammenhängt, ist deutlich besser als herumstehende Verkehrsschilder. Das ist so, wie man gleich langsamer fährt, wenn man ein Polizeiauto sieht. Die beste Warnung ist der Autofahrer, der mir entgegen kommt, die Radarfalle gesehen hat und blinkt. Und das machen ganz viele.

von Ira Schaible