Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Hessen Trillern gegen den Lärm - erneut Montagsdemo im Terminal
Mehr Hessen Trillern gegen den Lärm - erneut Montagsdemo im Terminal
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:45 05.12.2011
Auch heute wurde wieder im Terminal demonstriert. Foto: Boris Roessler/Archiv

Frankfurt. Während die Veranstalter am Montag für den vierten Protest im Terminal am Abend erneut mit mehreren tausend Teilnehmern rechneten, stärkte die Opposition im hessischen Landtag den lärmgeplagten Anwohnern den Rücken. Flughafenbetreiber Fraport zeigte Verständnis für die Empörung. Er sagte erneut zu, möglichst rasch Abhilfe durch Schallschutz- und Aufkaufprogramme für Häuser zu schaffen.

In den vergangenen Wochen war die Zahl der lautstark protestierenden Demonstranten im Terminal durchgehend gestiegen, am vergangenen Montag sollen nach Schätzungen der Polizei rund 2500 Menschen im Terminal mit Trillerpfeifen und Trommeln ihrem Ärger gegen den Fluglärm Luft gemacht haben. Organisiert werden die Proteste vom Bündnis der Bürgerinitiativen, das sich gegen den Betrieb der neuen Landebahn einsetzt und für den Flughafen ein dauerhaftes Nachtflugverbot einfordert.

Am Abend sollten die Proteste nach dem Willen der Veranstalter allerdings weniger ohrenbetäubend ausfallen: Im Vorfeld wurde das Bündnis von der Stadt aufgefordert, auf Trillerpfeifen, Vuvuzelas, Sirenen und Drucklufthupen zu verzichten. Das Frankfurter Ordnungsamt verhängte eine entsprechende Auflage, denn Behörde und Fraport sorgen sich um die Kommunikation im Ernstfall: «Natürlich ist es nachvollziehbar, dass Menschen in der Region durch den Fluglärm gestört werden», sagte Fraport-Sprecher Mike Peter Schweitzer. «Aber am vergangenen Montag waren teilweise auch die Lautsprecherdurchsagen im Terminal nicht mehr zu hören.» Das wirke sich aus auf die Sicherheit von Mitarbeitern, Demonstranten und Passagieren.

Schweitzer betonte, die Fraport entziehe sich keineswegs dem Dialog. Es gebe etliche Punkte, bei denen das Unternehmen Gesprächsbereitschaft zeige. Am Wochenende hatte bereits Fraport-Chef Schulte Verständnis gezeigt. Hoffnungen auf eine Ausweitung der Nachtruhe zumindest bis zur Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig machte er aber nicht: "Das ist schlicht unrealistisch, darauf können wir nicht eingehen", sagte Schulte der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung». Vor allem ein internationaler Flughafen wie Frankfurt könne nicht auf die wichtigen Randstunden am frühen Morgen und späten Abend verzichten.

Für den Darmstädter Soziologen Michael Hartmann wird sich der Streit um den Fluglärm nur durch stärkeren Protest beilegen lassen. Ohne den Druck zum Beispiel der Montagsdemonstrationen ließen sich vor allem die Politiker immer weniger von der Not der Menschen überzeugen. "Die Politiker reagieren nicht auf die sinkende Wahlbeteiligung", sagte Hartmann in einem dpa-Gespräch. "Deshalb muss man diejenigen, die maßgeblich beteiligt sind, unter Druck setzen." Er rechnet auch damit, dass der Protest zunehmen wird, sollte die Landesregierung den Lärmgegnern nicht entgegenkommen.

Nach seiner Auffassung könnte sich die Fraport auch umstimmen lassen, sollte der Protest stärker werden. "Wenn die Außenwirkung und die permanente Störung massiv zunehmen und der normale Ablauf auch im Terminal gestört wird, dann wird Fraport vermutlich reagieren», sagte Hartmann. «Denn das ist für sie günstiger als all die schlechten Schlagzeilen und eventuellen Beeinträchtigungen."

Der Hessische Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel hatte Mitte Oktober ein vorläufiges Nachtflugverbot verfügt, bis das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig ein endgültiges Urteil fällt. Die hessische Landesregierung will mit einer Klage in Leipzig Ausnahmen erlauben.