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Hessen Rentsch gibt Verdi Mitschuld am Aus für Schlecker
Mehr Hessen Rentsch gibt Verdi Mitschuld am Aus für Schlecker
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14:30 02.06.2012
Rentsch: Schlecker war zum Scheitern verurteilt. Quelle: Fredrik von Erichsen/Archiv
Wiesbaden/Kassel

"Wir haben in Hessen eine wirklich gute Arbeitsmarktlage, und zwar nicht nur im Rhein-Main-Gebiet, sondern auch in Nord- und Mittelhessen." Der arbeitsmarktpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Wolfgang Decker, nannte dies am Samstag "zynisch und absolut realitätsfern".

Es mache ihn "betroffen und wütend, wenn Verdi jetzt den Hilfspolizisten spielt und erklärt, wie man mit der Situation umzugehen hat", sagte Rentsch der "HNA". Die Gewerkschaft habe mit Boykottaufrufen zu der schwierigen Situation des Unternehmens beigetragen. Deshalb sei dies eine "unehrliche Diskussion".

"Dass die Insolvenz im konkreten Fall natürlich eine schlimme Situation für die Betroffenen ist, ist unbestritten", betonte Rentsch. "Staatliche Hilfen ersetzen aber keine wirtschaftlichen Konzepte eines Unternehmens."

Der SPD-Politiker Decker sieht das Aus von Schlecker hingegen vor allem als das Ergebnis einer Verweigerungshaltung der FDP. "Ihre Ablehnung, eine Transfergesellschaft zu gründen, war vor einigen Monaten bereits der Anfang vom Ende für die Drogeriemarktkette."

Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Frank Blechschmidt, entgegnete: "Die Gründe für die Insolvenz von Schlecker sind im Unternehmen selbst und der Unternehmensführung zu suchen." Verdi-Chef Frank Bsirske sei "maßgeblicher Steigbügelhalter für die Insolvenz des Konzerns". Er habe noch vor einigen Monaten wegen "der angeblich so schlechten Bezahlung und Arbeitsbedingungen" zum Boykott der Schlecker-Märkte aufgerufen und so zum Niedergang des Unternehmens beigetragen.

Noch etwa 1.000 Leute arbeiteten nach Verdi-Angaben zuletzt noch in den 240 verbliebenen Schlecker-Filialen in Hessen. Sie verlieren nun ihre Arbeit, weil kein Investor gefunden werden konnte. In einer ersten Welle unmittelbar nach der Insolvenz hatten in Hessen bereits etwa 750 Beschäftigte ihre Jobs bei Schlecker verloren.

dpa