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Polizisten-Angreifer wegen versuchten Mordes verurteilt

Urteile Polizisten-Angreifer wegen versuchten Mordes verurteilt

In seiner Freizeit hilft ein Polizist Kindern, die von ihrem Vater geschlagen werden - doch auch er wird Opfer des gewalttätigen Mannes und schwer verletzt. Das Landgericht Limburg hat den Angreifer deshalb am Freitag wegen versuchten Mordes zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt.

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Der Mann wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt.

Quelle: F. v. Erichsen/Archiv

Limburg. "Wer so massiv auf Menschen tritt, der rechnet damit, oder es ist ihm zumindest gleichgültig, ob die Körperverletzung tödlich ist", sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter. Mit seinem Angriff habe der Mann eine Straftat verdecken wollen.

Im Juni 2013 hatte der Vater nach Feststellung des Gerichts zwei seiner insgesamt sieben Kinder auf der Straße geschlagen und getreten. Der Polizist hatte frei und beobachtete die Übergriffe in Limburg. Er sprach den Mann aus dem Auto heraus an, stieg aus und gab sich als Polizist zu erkennen. Telefonisch wollte der Oberkommissar Verstärkung holen, wurde dabei aber von der Lebensgefährtin des Verurteilten am Handgelenk festgehalten. Die Frau wurde wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte zu 600 Euro Geldstrafe verurteilt.

Die Situation eskalierte: Der 38-Jährige ging auf den Polizisten los, schlug ihn zu Boden, trat auf seinen Kopf ein und verletzte den 56-Jährigen schwer. Dem Urteil zufolge ist er noch immer in ärztlicher Behandlung und kann wohl nie wieder in seinem Beruf arbeiten.

Zeugen beobachteten den Angriff und kamen dem Oberkommissar zur Hilfe. Der Angreifer flüchtete ebenso wie seine Frau mit den Kindern, später konnte er anhand von Überwachungsvideos ausfindig gemacht werden. Die Eltern wurden verhaftet und die Kinder in Obhut genommen.

Während des Prozesses hatte der Angeklagte angegeben, dass er Angst um seine Kinder hatte. Am letzten Verhandlungstag vor dem Urteil entschuldigte er sich bei seinem Opfer. "Ich hatte keine Absicht, ihn derart zu verletzen", sagte er.

Die Staatsanwaltschaft und auch der Polizist, der als Nebenkläger auftrat, bezeichneten den Angriff hingegen als besonders brutal. Auch als der Polizist bereits am Boden lag, habe der Mann auf den Kopf seines Opfers eingetreten, sagte die Anklagevertreterin in ihrem Plädoyer. Sie forderte deshalb eine Haftstrafe von zehn Jahren wegen versuchten Mordes. Die Verteidigung plädierte auf gefährliche Körperverletzung.

Der Polizist erhielt für seinen Mut im August 2013 die Hessische Medaille für Zivilcourage. Das Urteil nahm der 56-Jährige mit Genugtuung entgegen. "Vom Strafmaß bin ich allerdings etwas enttäuscht", sagte seine Anwältin Barbara Sauer-Kopic. Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft begrüßte die Entscheidung als "eine ganz wichtige, unbedingt notwendige Botschaft des Gerichts".

Der Anwalt des Verurteilten sieht das anders. Sein Mandant habe, anders als von Zeugen dargestellt, nicht auf das Gesicht des Polizisten eingetreten, sagte Anwalt Jürgen Arnold. Ob er in Revision gehen wird, konnte er noch nicht sagen.

dpa

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