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10:22 25.03.2018
Fulda/Limburg/Mainz

Auch Jahre nach Bekanntwerden von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche werden in den hessischen Bistümern immer noch weitere Fälle angezeigt. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den drei Kirchenbezirken und bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Bonn ergeben.

In den Bistümern Fulda, Limburg und Mainz wurden mehr als 100 Anträge auf Entschädigungszahlungen gestellt. Knapp 465 000 Euro wurden in den drei Bistümern an Opfer gezahlt. Einen Gesamtüberblick zu allen bundesweit geleisteten Zahlungen könne nicht gegeben werden, weil sie im jeweiligen Bistum erfolgen, erklärte die Bischofskonferenz.

Seit März 2011 können Anträge auf Entschädigungszahlungen bei der katholischen Kirche gestellt werden. In den meisten Fällen hat die Expertenstelle der DBK eine Geldzahlung empfohlen, die über die jeweiligen Bistümer oder Orden erfolgt, hieß es. Die Entschädigungszahlungen waren Teil eines Pakets an Maßnahmen, mit dem die katholische Kirche auf den Skandal reagierte.

Die sexuellen Übergriffe etwa von Priestern liegen teils lange Zeit zurück und wurden zuweilen erst Jahrzehnte später aufgedeckt. Anfang 2010 kam die Berichterstattung über den Missbrauch ins Rollen, es ging um Vorfälle an Schulen, Internaten und in kirchlichen Einrichtungen. Und selbst im vergangenen Jahr kamen immer noch vereinzelt weitere Fälle ins Blickfeld der Kirche, für die Entschädigungen gezahlt wurden. Die Kirche nennt diese Zahlungen "materielle Leistungen in Anerkennung des Leids der Opfer".

Die Situation in Deutschland im Überblick:

Seit Bekanntwerden des Skandals seien bei der Bischofskonferenz insgesamt 1788 Anträge von Opfern gestellt worden. In 1675 Fällen habe die Zentrale Koordinierungskommission (ZKS) die Zahlung einer sogenannten Anerkennungsleistung empfohlen. Die Zahl der Anträge ging zwar zuletzt zurück, war im vergangenen Jahr aber immer noch beträchtlich. 2015 waren 105 Anträge, 2016 126 Anträge und im vergangenen Jahr 54 Anträge.

Die katholische Kirche habe über die Zahlung von Geldbeträgen hinaus Therapiekosten übernommen, seelsorgliche Gespräche geführt und durch konsequente Prävention weitere Taten verhindert, sagte DBK-Sprecher Matthias Kopp. Um den Missbrauchsskandal aufzuarbeiten, sei eine breit angelegte und mehrjährige Forschungsstudie gemacht worden. Strafrechtlich blieben allerdings viele Vorfälle folgenlos, weil die Taten verjährt waren. In den Bistümern gibt es nun Präventions- und Schutzkonzepte nach den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Situation im Bistum Mainz:

Im Bistum Mainz (740 383 Katholiken), das auch auf hessischem Gebiet liegt, seien bislang 51 Anträge auf Anerkennung des Leids gestellt worden. Davon wurden 43 Anträge bewilligt, wie Bistums-Sprecher Tobias Blum sagte. Drei Anträge seien abgelehnt worden, fünf Fälle derzeit noch offen. Bisher sei eine Gesamtsumme von 253 000 Euro gezahlt worden. Der niedrigste Betrag liege bei 1000 Euro der höchste bei 13 000 Euro. Darüber hinaus seien für einzelne Betroffene Therapiekosten übernommen worden. Im Bistum Mainz stieg die Zahl der Anträge zuletzt wieder. 2016 waren es drei, 2017 waren es vier. Eine Bewilligung stehe in diesen vier Fällen auch noch aus.

Im Rahmen der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz seien für den Zeitraum von 1946 bis zum Sommer 2017 Missbrauchsvorwürfe gegen 52 im Bistum Mainz tätige Priester, Ordensmänner und Diakone dokumentiert. "Es sind einzelne weitere Missbrauchsvorwürfe gegen Kleriker bekannt, die jedoch zu vage waren, um eine solche Dokumentation zu erlauben", erklärte Blum. Eine Reihe weiterer Vorwürfe richteten sich gegen andere kirchliche Mitarbeiter, insbesondere gegen Erzieher in kirchlichen Heimen, einzelne Vorwürfe auch gegen ehrenamtlich Tätige.

Jeder Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, der dem Bistum Mainz genannt wurde, wird - sofern der Beschuldigte noch am Leben ist - der zuständigen Staatsanwaltschaft mitgeteilt, wie Blum erklärte. "In den vergangenen Jahren konnten jedoch viele dieser Vorwürfe aufgrund der bereits eingetretenen Verjährung nicht mehr staatsanwaltschaftlich verfolgt werden."

Die Situation im Bistum Limburg:

Auch im Bistum Limburg (630 172 Katholiken) wurden zuletzt noch Missbrauchsfälle gemeldet. In den Jahren 2016 und 2017 kam jeweils noch ein Fall ans Tageslicht. Seit dem Jahr 2010 wurden 35 Anträge auf Geldzahlungen gestellt - und allen Anträgen wurde stattgegeben, gezahlt wurden Beträge zwischen eintausend und 15 000 Euro. Insgesamt wurden vom Bistum 166 000 Euro als Anerkennung des Leids bezahlt.

Das Bistum betont, viel bei der Missbrauchsprävention zu unternehmen. In der Diözese gebe es ein Netzwerk von 150 geschulten Fachkräften. "Dies garantiert, dass in allen relevanten Orten des Bistums eine oder mehrere geschulte Kontaktpersonen zur Verfügung stehen", sagte Bistums-Sprecher Stephan Schnelle. In den vergangenen Jahren sei in Schulen und anderen Orten bereits ein "Institutionelles Schutzkonzept" eingesetzt worden - systematisch erfolge dies bei allen Rechtsträgern im Bistum ab Sommer 2018.

Die Situation im Bistum Fulda:

Im Bistum Fulda (392 951 Katholiken) wurden bislang den Angaben zufolge 15 Anträge auf eine Entschädigungszahlung gestellt. Der bislang jüngste Antrag stamme aus dem Jahr 2014, wie Bistums-Sprecher Christof Ohnesorge sagte. In allen Fällen seien Leistungen zwischen 1000 und 8000 Euro an die Betroffenen gezahlt worden. Insgesamt beliefen sich die Zahlungen auf 45 500 Euro. Seit 1943 seien 20 Priester und 8 Laien wegen sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden.

dpa

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