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Politik Kritik an schnellem Abbau der Erdogan-Statue in Wiesbaden
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17:43 29.08.2018
Feuerwehrleute heben eine Statue des türkischen Präsidenten Erdogan mit einem Kram vom Platz. Quelle: Sebastian Stenzel/Wiesbaden112.de
Wiesbaden

Die vier Meter hohe goldene Statue des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan ist aus Furcht vor Ausschreitungen in Wiesbaden wieder abgebaut worden. Die Stadt begründete den Schritt am Mittwoch mit Hinweisen auf Protestierende aus dem gesamten Bundesgebiet. Der Aufwand, das im Rahmen des Kunstfestivals Biennale aufgestellte Werk zu schützen, sei zu hoch gewesen.

Die Kuratoren der Wiesbaden Biennale kritisierten den schnellen Abbau deutlich. Die Sicherheitsbedenken der Stadt und der Ordnungskräfte würden zwar respektiert, erklärten Maria Magdalena Ludewig und Martin Hammer. "Die Aneignung des öffentlichen Raumes durch politische Kunst und ihr Schutz ist jedoch ein ebenso hohes Gut."

Die Feuerwehr war in der Nacht angerückt und hatte die Statue mit einem Kran entfernt. Die Räumung des Platzes, auf dem das Gips-Kunstwerk in Wiesbadens Innenstadt stand, war nach Polizeiangaben ohne besondere Vorkommnisse verlaufen. Zuvor hatten sich Anhänger und Gegner des umstrittenen türkischen Präsidenten heftige Wortgefechte an der Statue geliefert.

Nachdem die Polizei mehrfach einschreiten musste, wäre nach Einschätzung der Ordnungskräfte eine ruhige und friedliche Atmosphäre nur durch den dauerhaften Einsatz starker Polizeikräfte zu erreichen gewesen, erklärte ein Sprecher der Stadt. Im Laufe des Tages sei dann zudem bekannt geworden, dass kurdische Kreise dazu aufgefordert hätten, überregional zu Protestaktionen nach Wiesbaden anzureisen. In dieser Situation hätten Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) und Ordnungsdezernent Franz kurz vor 21 Uhr den Abbau beschlossen.

Für den gesamten Magistrat der Stadt sei die Kunstfreiheit ein hohes und schützenswertes Gut, betonte die Stadt. Eine Kunstinstallation allerdings Tag und Nacht mit einem massiven Polizeiaufgebot schützen zu müssen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrechtzuerhalten, sei nach Einschätzung der Verantwortlichen aber nicht verhältnismäßig gewesen.

Die Stadt habe die hohen Kosten für die dauerhaft notwendige Anwesenheit der Polizei vor der Kunstinstallation angeführt, sagten dazu die beiden Biennale-Kuratoren. "Gleichwohl möchten wir hier in aller Entschiedenheit die Frage nach dem Preis und der Freiheit der Kunst stellen", betonten Ludewig und Martin Hammer. "Was sind wir bereit auszugeben für Veranstaltungen und Anlässe wie etwa den geplanten Staatsbesuch des türkischen Präsidenten, der mit militärischen Ehren empfangen werden wird, oder auch jedes erdenkliche Fußballspiel am Samstagnachmittag?"

Der Wiesbadener Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg hatte die Aktion als ein Statement für die freie Meinungsäußerung verteidigt. "Wir haben die Statue aufgestellt, um über Erdogan zu diskutieren", erklärte Laufenberg. "Das geht überall. Die Kunst ist dazu da, zu zeigen, wie es ist." Das sei nicht immer leicht zu verstehen. "Aber in einer Demokratie muss man alle Meinungen aushalten."

Für die Direktorin des Frankfurter Kunstvereins, Franziska Nori, ist die Aufregung um die Statue ein Spiegel der "Aufregungskultur" unserer Gesellschaft. "Das ist wie ein Kontrastmittel", sagte Nori: "Die Aktion bildet die Kommunikationsstrukturen unserer Gesellschaft ab." Die Kunstaktion passe perfekt "in die ganze Aufregungskultur, die wir ja im Moment alle kollektiv zelebrieren". Insofern sei das Aufstellen der Staue "eine interessante, sehr gelungene Aktion". Die Diskussionen über die Statue ähnelten anderen Debatten wie zum Beispiel um den Fußballer Mesut Özil. "Es sind ja auch genau dieselben Gruppen, die sich zu Wort melden."

Die Karikaturisten Achim Greser und Heribert Lenz begrüßten die Kunstaktion. "Wir unterstützen alles, was diesen größenwahnsinnigen Führer und Despoten vorführt. Egal ob in subtil künstlerischer oder direkter politischer Form - das kann man nur gutheißen", sagte Greser der Deutschen Presse-Agentur. Greser und Lenz kennen sich mit heiklen Themen und ihren Folgen aus. Im Jahr 2015 musste eine Karikaturen-Schau in Hanau aus Furcht vor islamistischem Terror von der Polizei bewacht werden.

Das Kunstfestival Biennale läuft seit vergangenem Donnerstag in Wiesbaden und geht noch bis Sonntag (2.9.). In diesem Jahr steht es unter dem Motto "Bad News".

dpa

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