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Schaden in Millionenhöhe: Druck auf Schwarzfahrer steigt

Verkehr Schaden in Millionenhöhe: Druck auf Schwarzfahrer steigt

Nervenkitzel, Geiz oder schlicht Vergesslichkeit? Für das Fahren in Bussen oder Bahnen ohne gültiges Ticket mag es viele Gründe geben - die Folgen, wenn man ertappt wird, sind immer gleich. Mit mehr Kontrollen versuchen Verkehrsunternehmen, das Phänomen einzudämmen.

Frankfurt/Main. Ohne Fahrschein geht an diesem Nachmittag nichts an der U-Bahnstation Höhenstraße in Frankfurt. Eine ganze Reihe von Kontrolleuren wartet am Ausgang auf die Fahrgäste, alle müssen ihr Ticket vorzeigen. Hinter ihren Kollegen steht Yvonne Seitz, sie ist für die Verwarnung zuständig. Denn an diesem Mittwoch zeigen sich die Frankfurter Verkehrsunternehmen ausnahmsweise gnädig: Wer von den insgesamt rund 100 eingesetzten Kontrolleuren erwischt wird, erhält eine Gelbe Karte als Verwarnung und den mündlichen Hinweis, dass das nächste Mal unweigerlich 60 Euro Strafe fällig werden.

Wortreich schildert eine junge Frau Kontrolleurin Seitz ihre Notlage: Sie habe eine übertragbare Monatskarte im Geldbeutel, doch den habe sie ihrer Schwester gegeben. Ob sie nicht nachträglich die Monatskarte beim Verkehrsunternehmen vorlegen könne? Geduldig erläutert die Kontrolleurin, dass und warum dies nicht möglich ist - und überreicht die kleine Gelbe Karte. "Hängen Sie die doch an die Wand, als Mahnmal", schlägt sie freundlich vor.

Zweimal pro Woche findet in Frankfurt eine solche "Vollkontrolle" einer Station statt; Gelbe Karten als Verwarnung gibt es sonst allerdings nicht. Fahrkarte verloren, Automat funktioniert nicht, kein Geld dabei - Ausreden-Klassiker, die Yvonne Seitz schon oft gehört hat. Viele Schwarzfahrer gäben sich als ahnungslose Touristen aus. Ein Blick in den Personalausweis entlarve den Versuch aber meist schnell, berichtet sie.

Im Jahr 2016 seien 55 000 Schwarzfahrer in Frankfurt erwischt worden, erklärt die Verkehrsgesellschaft VGF - und damit fünf Prozent der Fahrgäste. Ähnlich sieht es beim Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) aus. Seit 2014 seien die Kontrollen massiv verstärkt worden, sagt Geschäftsführer Knut Ringat. Zuvor sei noch mehr als jeder Zehnte ohne Fahrschein angetroffen worden.

Doch noch immer betrage der jährliche Schaden durch nicht zahlende Fahrgäste rund 40 Millionen Euro im Rhein-Main-Gebiet. Deutschlandweit wird die Summe auf rund 250 Millionen Euro geschätzt. "Das ist Geld, dass wir nur über die Fahrpreise oder vom Steuerzahler wieder einholen können", sagt der RMV-Chef.

Während die Schwarzfahrer am Mittwoch die Verwarnung überreicht bekamen, erhielten die zahlenden Fahrgäste einen Kühlschrankmagneten in Form einer Fahrkarte als Dankeschön. "Jeder Fahrgast, der seine Fahrkarte kauft, trägt dazu bei, dass wir unser Angebot aufrechterhalten können", erklärt VGF-Geschäftsführer Thomas Wissgott.

Schwarzfahren ist eine Straftat. Der sogenannten Beförderungserschleichung kann sogar eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder eine Geldstrafe folgen - dies gilt vor allem für unbelehrbare Wiederholungstäter. Im Rhein-Main-Gebiet werden Schwarzfahrer angezeigt, wenn sie innerhalb von drei Monaten zum zweiten Mal erwischt werden.

Von Forderungen einzelner Politiker und des Richterbunds, Schwarzfahren wegen Überlastung der Justiz zur Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern zu machen, halten die Verkehrsunternehmen nichts. Sie fürchten auch um die abschreckende Wirkung einer derzeit am Ende sogar möglichen Gefängnisstrafe. "Das wäre ein harter Schlag gegen den öffentlichen Nahverkehr", sagt der Geschäftsführer der Frankfurter Nahverkehrsgesellschaft traffiQ, Hans-Jörg von Berlepsch.

dpa

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