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Panorama Zurückweisung endet mit lebensgefährlichem Messerangriff
Mehr Hessen Panorama Zurückweisung endet mit lebensgefährlichem Messerangriff
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17:33 07.09.2018
Auf der Richterbank liegt ein Richterhammer. Quelle: Uli Deck/Archiv
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Darmstadt

Knapp neun Monate nach einem beinahe tödlichen Messerangriff auf seine Ex-Freundin ist ein junger Mann in Darmstadt zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Aus Sicht des Landgerichts handelte es sich um versuchten Mord und eine Beziehungstat. Der junge Afghane war 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen, sein genaues Alter war unklar. Die Richter gingen am Freitag davon aus, dass der Angeklagte 17 Jahre alt ist und wendeten Jugendstrafrecht an.

Die Tat in Darmstadt weist einige Parallelen zum Fall Kandel auf. In der Stadt in Rheinland-Pfalz war kurz nach Weihnachten eine 15-Jährige in einem Drogeriemarkt von ihrem Ex-Freund erstochen worden, der wie der Angeklagte in Darmstadt als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen war. In Landau wurde der mutmaßlich aus Afghanistan stammende junge Mann Anfang der Woche zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt - ebenfalls nach Jugendstrafrecht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

In Darmstadt war der geständige Angeklagte kurz vor Weihnachten mit einem Springmesser auf die 17 Jahre alte Jugendliche losgegangen. Sie erlitt 17 Stiche in Rücken, Schultern und Brust. Der letzte Stich ging knapp am Herzen vorbei. Nur durch eine Notoperation konnte das Leben der Jugendlichen gerettet werden. Das Mädchen hatte dem Gericht zufolge bei dem Treffen die Beziehung freundschaftlich beenden wollen.

"Der Angeklagte kam mit der Zurückweisung nicht zurecht", sagte der Vorsitzende Richter Marc Euler in der Urteilsbegründung. Die brutale Reaktion des jungen Mannes sei aber weder auf kulturelle noch auf religiöse Vorstellungen zurückzuführen. "Es gibt Männer, die mit solchen Konstellationen Probleme haben", fügte Euler hinzu. Ähnliche Angriffe gebe es immer wieder, unabhängig vom gesellschaftlichen Hintergrund des Angreifers. Der schmächtige junge Angeklagte schüttelte während der Urteilsbegründung immer wieder den Kopf.

Der Verurteilte habe das spätere Opfer - eine Marokkanerin, die schon länger in Deutschland lebt - bei einem Sprachkurs kennengelernt. Das Mädchen wurde seine "Sprachpatin", beide seien sich näher gekommen. Vordergründig seien die Bedingungen für den jungen Flüchtling gut gewesen. In seiner Wohngruppe etwa habe er als "Sunnyboy" mit freundlichem Wesen und großer Lernbereitschaft gegolten.

Während der Angeklagte "heillos verliebt" gewesen sei, wie der Vorsitzende Richter sagte, hätten sich bei dem Mädchen zunehmend Zweifel über eine gemeinsame Zukunft eingestellt. Einer der Gründe dafür, so Richter Euler, seien verstörende Fotos gewesen, die der Jugendliche an die Freundin gesendet habe. Auf einem Bild sei er etwa mit entblößter und blutiger Brust zu sehen gewesen. Zuvor habe er mit einem Messer den Namen des Mädchens in seine Brust geritzt.

Im September 2016 sei sogar über ein Gewaltschutzverfahren nachgedacht worden. Ein solcher Schritt ermöglicht es Opfern von Gewalttaten, gegen einen Täter ein gerichtliches Kontakt- und Näherungsverbot zu erwirken. Dieses sei nicht zustande gekommen, da das Mädchen immer wieder die Nähe des jungen Afghanen gesucht habe. Nachdem das Mädchen die Beziehung zwei Tage vor Heiligabend 2017 beendete und später noch einmal versöhnlich Abschied nehmen wollte, sei die Situation eskaliert.

Der Vorsitzende Richter sagte, das Opfer leide seit der brutalen Attacke an gesundheitlichen und psychischen Problemen. Um den schnellen Blutverlust zu stoppen seien die Wunden damals grob vernäht worden, was zu deutlichen Narben führte. "Sie wird täglich daran erinnert, was Sie ihr angetan haben", sagte Euler an den Verurteilten gewandt. Dass der junge Mann vor der Tat Schnaps getrunken hatte und stark alkoholisiert war, hat aus Sicht der Richter sämtliche Hemmungen außer Kraft gesetzt, gleichwohl sei er steuerungsfähig gewesen.

Während der Prozess vor dem Landgericht Landau zum Fall Kandel komplett unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt worden war, waren in Darmstadt beim Auftakt sowie beim Urteilsspruch Pressevertreter zugelassen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor eine Jugendstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten gefordert. Die Verteidigung plädierte für eine Haftstrafe von vier Jahren, der Vertreter der Nebenklage verlangte zehn Jahre Haft. Ob Rechtsmittel gegen das Urteil eingelegt werden, blieb zunächst offen.

dpa

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