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Panorama Polizei erwischt Dutzende betrunkene Lkw-Fahrer
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17:33 28.01.2019
Ein Polizist hält eine Polizeikelle mit der Aufschrift «Halt Polizei» in der Hand. Quelle: Marius Becker/Archiv
Gießen

Bei einer großen Kontrollaktion auf Hessens Autobahn-Rastplätzen hat die Polizei Dutzenden alkoholisierten Lastwagenfahrern die Weiterfahrt verboten. Bei einigen seien mehr als zwei Promille festgestellt worden, teilte die Polizei am Montag in Gießen mit. Von rund 1200 kontrollierten Personen hatten demnach 190 Alkohol getrunken - 79 von ihnen so viel, dass sie auch nach dem Ende des Sonntagsfahrverbots um 22.00 Uhr nicht losfahren durften. Die Beamten behielten in einigen Fällen die Fahrzeugschlüssel ein oder legten den Lastwagen Parkkrallen an.

An der Aktion am Sonntagabend waren rund 250 Polizisten beteiligt. Sie arbeiteten sich von Parkplatz zu Parkplatz vor und klopften an die Türen der wegen des Sonntagsfahrverbots pausierenden Fahrer, von denen ein großer Teil aus dem Ausland stammte. Bei Darmstadt stießen die Beamten auf einen mit Salpetersäure beladenen Gefahrguttransporter. Der Fahrer hatte den Beamten zufolge fast 1,6 Promille Alkohol im Atem. Hinterm Steuer von Gefahrgut-Lkws gilt demnach nicht die 0,5-Promille-Grenze, sondern eine 0,0-Promille-Grenze. Dem Mann sei eine Zwangspause verordnet worden.

An der Raststätte Wetterau West trafen die Beamten auf einen Fahrer, dessen Atemalkoholwert zunächst bei 5 Promille lag und sich dann auf 2,7 Promille einpendelte. Grund für die extreme Schwankung: Der Mann habe kurz vor der Kontrolle getrunken. Da er bis zur geplanten Weiterfahrt am Montagmorgen nicht nüchtern gewesen wäre, sprachen die Beamten ein Fahrverbot aus und setzten den LKW mit einer Parkkralle fest. Bei Hessisch Lichtenau erwischte die Polizei einen Mann mit rund 2,5 Promille. Er musste mit seinem LKW ebenfalls eine längere Pause einlegen - nur wenige Kilometer von seinem Ziel entfernt.

Alkoholisierte LKW-Fahrer seien ein "erhebliches Risiko für die Verkehrssicherheit", warnte die Polizei. Zu Unfällen kommt es aber vergleichsweise selten: Im Jahr 2017 gab es nach Zahlen der Unfallforschung der Versicherer (UDV) bundesweit rund 22 700 Crashs, die LKW-Fahrer aufgrund eines Fehlverhaltens im Verkehr verursacht hatten. Davon seien 382 auf Alkohol zurückzuführen, berichtete UDV-Leiter Siegfried Brockmann. Allerdings gebe es eine Dunkelziffer. Die Zahlen bedeuten demnach auch nicht, dass "nur" 382 Fahrer betrunken hinterm Steuer saßen, "sondern dass es in den allermeisten Fällen gut geht und man nicht entdeckt wird".

Bei der Kontrollaktion fielen den hessischen Beamten immer wieder Fahrer aus Osteuropa auf. Das liege auch daran, dass Kollegen aus Deutschland in der Regel nicht das Wochenende auf Rastplätzen verbringen müssten, sagte die Polizeisprecherin in Gießen.

Aus Sicht des Bundesverbandes Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) spielt zudem eine Rolle, dass diese Fahrer wochen- und teils monatelang unterwegs und von ihren Familien getrennt seien. "Das verkraftet nicht jeder und greift zur Flasche", sagte Sprecher Martin Bulheller. Eine wichtige Präventionsmaßnahme sei es daher, die Abwesenheitszeiten zu verkürzen. Deswegen begrüße der Verband einen Vorschlag der EU-Verkehrsminister, der eine Heimkehrpflicht nach spätestens vier Wochen vorsehe.

Die Polizei in Hessen will auch künftig ähnliche Kontrollen durchführen. Aus Sicht des Bundesvorsitzenden der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, sind derartige Aktionen regelmäßig und vielerorts nötig. Fahrer, die unter Alkoholeinfluss stehen, sollten zudem mit "deutlichen Sanktionen" rechnen müssen.

dpa

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