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Panorama Sonne heizt Marburg auf - Gewitter droht
Mehr Hessen Panorama Sonne heizt Marburg auf - Gewitter droht
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16:18 28.05.2018
In Hetzerode ist nach Starkregen und Hagelschlag ein Bach über die Ufer getreten. Quelle: Bernd März
Marburg

Vor allem in Nord-, Mittel- und Osthessen hatten sich in der Nacht zum Montag heftige Gewitter entladen. Auch für die kommenden Tage sagt der Deutsche Wetterdienst (DWD) unwetterartige Hitzegewitter mit heftigem Starkregen und Hagel voraus.

"Diese Wetterlage ist im Allgemeinen sehr stabil", sagte ein DWD-Meteorologe in Offenbach. Besonders am Dienstag ist nach seiner Darstellung die Gefahr von Hitzegewittern in Hessen besonders groß. Mindestens bis zum Wochenende bleibe es kritisch, es müsse immer wieder mit regelrechten Sturzfluten gerechnet werden.

Währenddessen genießen die Marburger die Sonne und die warmen Temperaturen im Freibad Aquamar.

Wie diese Familie genießen derzeit zahlreiche weitere Eltern mit ihren Kindern das warme Wetter im Marburger „Aquamar“-Freibad in der Sommerbadstraße. Foto: Simone Schwalm

Ob im Donut- oder Melonen-Schwimmring, ob mit „Paw-Patrol“-Schwimmflügeln oder den klassisch orangefarbenen: gut geschützt suchen vor allem die kleinen Badegäste das kühle Nass im Freibad des „Aquamar“ auf.

Während einige der erwachsenen Badegäste auf die durchschnittliche Wassertemperatur von etwa 25 Grad durchaus noch etwas empfindlich reagieren, zieht es die Kinder ins Plansch- und Nichtschwimmer-Becken – und zwar stets unter den wachsamen Blicken der Schwimmmeister für Bäderbetriebe.

„Die Bezeichnung Bademeister ist bei uns verpönt“, lacht Lukas Huck, einer der Aquamar-Angestellten – ohne seine Augen vom Nichtschwimmer-Becken zu lassen. „Es sieht zwar entspannt aus, wie wir hier so sitzen, aber unsere Augen und Ohren müssen immer wachsam sein, das erfordert hohe Aufmerksamkeit“, sagt der junge Mann.

Täglich ist er etwa acht Stunden – meist mit einem Kollegen oder einer Kollegin – in Einsatzbereitschaft. Er ist sehr froh darüber, dass er bisher während seiner zweijährigen Tätigkeit noch keine Situation erlebt hat, in der es wirklich brenzlig wurde.

Aufräumarbeiten in Hessen

In anderen Teilen Hessen haben am Montag die Aufräumarbeiten begonnen. Vollgelaufene Keller wurden ausgepumpt, verschlammte Straßen freigeräumt. Im Kreis Limburg wurden in der Nacht zum Montag nach Angaben der Polizei so viel Schlamm und Geröll auf die Bundesstraße 8 geschwemmt, dass die Strecke bis zum Morgen zwischen Bad Camberg und Selters im Taunus gesperrt war. Zwei Autofahrer hätten mit ihren Wagen auf dem knapp 900 Meter langen Abschnitt festgesteckt, weil Schlamm den Weg versperrte, sagte eine Sprecherin. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen niemand.

In Hungen-Bellersheim im Kreis Gießen stand das Wasser zeitweise einen halben Meter hoch auf der Straße, mehrere Bäume stürzten um, wie ein Polizeisprecher berichtete. Im wenige Kilometer entfernten Pohlheim sei eine kleine Schlammlawine auf die Landesstraße 3131 niedergegangen.

Flughafen annullierte 74 Flüge

Im nordhessischen Waldkappel traf eine Schlamm- und Hagellawine den Ortsteil Hetzerode - und schloss ein Auto ein. Die beiden Frauen in dem Wagen konnten sich nach Angaben der Rettungsleitstelle retten. Der Schlamm habe bis zu den Scheiben gestanden, sagte ein Sprecher. Zudem sei eine Bank gegen die Windschutzscheibe gedrückt worden, die dadurch kaputt ging.

Auf Bildern aus Hetzerode war zu sehen, wie Wasser durch die Straßen floss und Autos einschloss. In mehreren Häusern drückte sich Hagel durch Türen und Fenstern. An anderen Stellen lagen die kleinen Eiskügelchen mehrere Zentimeter hoch. "Es herrscht Chaos hoch drei", sagte der Leitstellensprecher. Am Montagmorgen die Entwarnung: Laut Behörden hat sich die Lage beruhigt. Mehr als 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz gewesen. Auch in der Gemeinde Elz in Mittelhessen war die Feuerwehr mehrfach wegen vollgelaufener Keller im Einsatz.

In Frankfurt wurden am Sonntagabend an Deutschlands größtem Flughafen insgesamt 74 Flüge und Landungen annulliert. Der Großteil sei auf die Wetterlage zurückzuführen, sagte am Montagmorgen ein Flughafen-Sprecher. Nach Darstellung des Wiesbadener Verkehrsministeriums starteten 24 Maschinen trotz des bestehenden Nachtflugverbots. Außerdem gab es zehn Landungen nach 23.00 Uhr.

Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sind in Hessen 36 Prozent der Hausbesitzer gegen Schäden durch Starkregen und Überflutungen versichert. Bundesweit seien es sogar 41 Prozent.

von Simone Schwalm und unserer Agentur