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Panorama Frankfurt sperrt das nördliche Mainufer: mit offenem Ende
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16:03 25.04.2018
Verkehrsdezernent Klaus Oesterling. Quelle: Susann Prautsch/Archiv
Frankfurt/Main

Schon 1976 gab es in Frankfurt erste Skizzen, wie das nördliche Mainufer im Bereich der zentralen Innenstadt wieder für Fußgänger zurückgewonnen werden könnte. 43 Jahre später will die Stadt nun tatsächlich die Autos zwischen Untermainbrücke und Alter Brücke verbannen. Ab Sommer 2019 soll die Sperrung gelten, kündigte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) am Mittwoch an. Allerdings zunächst nur probeweise für ein Jahr.

In den zwölf Monaten sollen mit Hilfe des Büros von Albert Speer - der renommierte Frankfurter Stadtplaner ist im vergangenen September gestorben - die Folgen für den Verkehr geprüft werden. Es geht also um die Frage, ob es zu dem von Skeptikern befürchteten Verkehrschaos kommt.

Rund 20 000 Autos sollen den rund ein Kilometer langen Abschnitt am nördlichen Verkehr derzeit benutzen, sagt Oesterling, der aber keine Details dazu nennen kann. Genau gezählt werden soll der Verkehr erst vor der Sperrung - und während der Probephase in der umliegenden Zone.

Die Sperrung scheint also nicht unbedingt generalstabsmäßig vorbereitet zu sein. Oesterling geht davon aus, dass sich die Autos durch die parallel führende vierspurige Berliner Straße den Weg in Ost-West-Richtung suchen werden. Oder "großräumig" wie etwa über das südliche Mainufer.

Der Verkehrsdezernent selbst, ein alter Befürworter der Sperrung, hält das Projekt für weitgehend problemlos. Der dafür vorgesehene Abschnitt sei jetzt bereits oft im Jahr bei Veranstaltungen wie etwa dem Main-Fest oder dem Triathlon "Iron Man" dicht, ohne dass der Verkehr zusammengebrochen sei, sagt Oesterling.

Die Erfahrung gibt ihm recht: Frankfurts Innenstadt wurde beim Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg mit Schneisen und Ringen so autogerecht geplant wie kaum eine andere in Deutschland. Doch der Zusammenbruch des Verkehrs blieb jedes Mal aus, wenn das Auto ein stückweit zurückgedrängt wurde. In den 1970er Jahren wurde aus der damals vielbefahrenen Zeil eine Fußgängerzone. 2009 sperrte Grünen-Verkehrsdezernent Lutz Sikorski trotz großer Proteste kurzerhand die Hauptwache für den Durchgangsverkehr - heute gilt das als seine Glanztat.

Unter Schwarz-Grün wurde vor einem Jahrzehnt auch noch an einen Tunnel unter dem nördlichen Mainufer gedacht. Dazu kam es nicht - allein schon wegen fehlenden Geldes. Vor zwei Jahren hat die neue Stadtregierung aus SPD, CDU und Grünen nun gemeinsam die Sperrung im Koalitionsvertrag beschlossen.

Bis es jedoch soweit ist, wird es noch mehr als ein Jahr dauern. Oesterling begründet dies mit Sicherheitsfragen und Absprachen mit der Mainschifffahrt, die am Eisernen Steg Anlieferungen für ihre Dampfer bräuchten.

In der "Probezeit" darf dann am Mainufer auch nichts baulich verändert werden. Die Straße bleibt, genauso wie der Asphalt. Der Verkehrsdezernent will - vor einer endgültigen Abstimmung im Stadtparlament - keine unumkehrbaren Fakten schaffen. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) und die Handwerkskammer forderten am Mittwoch gemeinsam eine "breite Debatte" über die künftige Verkehrspolitik der Stadt, ohne dass sie allerdings die Sperrung von vorneherein verdammten.

Letztlich könnte Frankfurt mit der Öffnung des Mainufers für Fußgänger zu seinen Ursprüngen zurückfinden. Historisch gesehen war die Stadt immer zum Main hin orientiert. Die Rückbesinnung begann bereits Anfang der Jahrtausendwende. Durch Landschaftsplanung und Verlagerung von Betrieben gelang es Frankfurt, den Fluss als öffentlichen Raum für die Menschen zurückzuholen.

Heute sind beide Mainufer an schönen Tagen bis in die frühen Morgenstunden von Flaneuren und Feiernden belebt. Auch den Touristen, die Frankfurt inzwischen täglich zu Tausenden besuchen, dürfte die Sperrung des nördlichen Mainufers gefallen. Sie werden künftig problemlos von der neuen renovierten Altstadt, die im September offiziell eröffnet wird, zum Eisernen Steg und den anlegenden Schiffen ihren Weg finden. Zugleich könnte dank des gewonnenen Raums das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern - ein beliebtes Streitthema in der Stadt - entspannter werden.

dpa

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