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Panorama Sandsteinbögen, wo früher "Betonbrutalismus" herrschte
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17:03 30.09.2018
Touristen stehen auf dem Hühnermarkt der neuen Frankfurter Altstadt am restaurierten Friedrich-Stoltze-Brunnen. Quelle: Arne Dedert
Frankfurt/Main

Zwischen dem früheren "Rapunzelgäßchen" und dem "Drachengäßchen" herrscht Gedrängel. Tausende Menschen begutachten die blitzblanken Fassaden der über Jahre hinweg wiederaufgebauten Frankfurter Altstadt. Malerisch wirkende Fachwerkwände werden am Wochenende ebenso bestaunt wie Sandsteinbögen oder filigran anmutende Steinmetzarbeiten.

Mit einem großen Bürgerfest hat die Stadt Frankfurt die Eröffnung der neuen Altstadt am Wochenende gefeiert. Musik- und Theateraufführungen lockten tausende Besucher auf den Römerberg und an das benachbarte Mainufer. Laut Polizei verlief die Feier mit etwa 280 000 Besuchern friedlich.

Doch nicht alle Besucher finden es richtig, dass die 1944 im Bombenhagel der Alliierten fast komplett zerstörte Altstadt auf diese Weise zum Teil wieder entstanden ist. "Für mich wirkt es wie Disney World. Eine zeitgenössische Architektur hätte ich besser gefunden als diesen Historismus", sagt etwa ein 63 Jahre alter Besucher. Sicher, handwerklich betrachtet seien die 35 Häuser zwischen Dom und Römer (Rathaus) mit viel Liebe zum Detail aufgebaut worden, sagt er. Trotzdem hätte sich der Frankfurter eine andere Lösung für die sieben Hektar große Fläche gewünscht.

Milder urteilt seine Frau, die in der "Altstadt" einen Touristenmagnet und eine gute Werbung für die Stadt am Main sieht. "Mir gefällt es hier gut", sagt sie und blickt ihren Mann belustigt an. Der stellt noch die Frage, wie das Stadtviertel heute aussehen würde, wenn die historischen Gebäude damals nicht zerbombt worden wären. Womöglich moderner als heute, sagt er und lächelt. Dann winkt er ab und sagt: "Wer weiß schon, was für Häuser hier in hundert Jahren stehen?"

Der Grundstein für das 200-Millionen-Euro-Projekt war vor sechseinhalb Jahren gelegt worden. Noch stehen viele Gebäude leer. Dort, wo sich die eingezogenen Geschäfte präsentieren, sind im Inneren noch kahle Betonwände und Kabelschächte zu sehen. So etwa auch bei der Höchster Porzellan-Manufaktur, die schon seit 1746 besteht. Wie Steffen Taubhorn von der Traditionsfirma sagt, werden die Wände noch verschönert. Das Geschäft öffne zwar erst im November, sagt Taubhorn. Der Andrang am Wochenende wirke aber vielversprechend.

Die Bauzäune waren bereits Anfang Mai gefallen. Seitdem ist der Ort ein beliebter Anziehungspunkt für Besucher, darunter viele Touristen. Jeden Tag flanieren dort nach einer Zählung der Stadt rund 7000 Menschen. Die Tourismus+Congress GmbH rechnet - auch durch die Anziehungskraft der neuen Altstadt - spätestens 2019 mit zehn Millionen Touristen in Frankfurt.

Eigentlich, so sagt ein 69 Jahre alter Frankfurter am "Markt", sei er zu Beginn des Bauprojekts skeptisch gewesen. Schließlich habe das zuvor hier angesiedelte Technische Rathaus von 1972 auch eine gewisse Berechtigung gehabt. In seinem "Betonbrutalismus" sei der Gebäudekomplex zwar nicht schön, aber auch Sinnbild für die historischen Brüche der Stadt gewesen. Mittlerweile blickt der Frankfurter jedoch freundlicher auf die noch etwas steril wirkenden Häuser. "Da vorne hat schon jemand einen Eintracht-Aufkleber auf die Regenrinne geklebt", sagt er schmunzelnd. Auf Fußball-Fans sei eben Verlass.

dpa

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