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Panorama Stadtmaut für Autos müsste 12 Cent pro Kilometer betragen
Mehr Hessen Panorama Stadtmaut für Autos müsste 12 Cent pro Kilometer betragen
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11:50 21.02.2018
Fahrgäste stehen an einer Haltestelle für Busse und Straßenbahnen. Quelle: Frank Rumpenhorst/Archiv
Kassel

In der Debatte um kostenlosen Öffentlichen Personennahverkehr hält ein Kasseler Verkehrswissenschaftler höhere Ausgaben für Bus und Bahn gerechtfertigt. Eine stärkere Steuerfinanzierung des ÖPNV sei begründbar, sagte Carsten Sommer von der Uni Kassel auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Sommer hat in einem Forschungsprojekt errechnet, dass der Autoverkehr in einer Großstadt die öffentliche Hand und die Allgemeinheit fast dreimal so viel Geld wie der ÖPNV kostet. Man könne daraus auch den Schluss ziehen, dass Autofahrer stärker an Kosten beteiligt werden müssten, die sie verursachten.

Sommer hat eine Methode entwickelt, mit der Kommunen die Kosten der Verkehrsmittel ÖPNV, Pkw, Lkw, Rad- und Fußverkehr auf ihrem Gebiet ermitteln können. Dabei werden Infrastruktur wie Straßen, Schienen und Haltestellen berücksichtigt, aber auch Folgen von Lärm, Umweltverschmutzung und Unfällen. "Wir betrachten dabei nicht ein Verkehrsprojekt isoliert, sondern das Gesamtsystem und die Effekte einer Einzelentscheidung auf das Ganze", erklärt Sommer.

Mit dem Rechenmodell untersuchten die Forscher die Städte Kiel, Bremen und Kassel. Das Ergebnis: Der Lastwagenverkehr schnitt bei der Gegenüberstellung von Kosten und Nutzen am schlechtesten ab, dann folgten Autos. Der Rad- und Fußverkehr bringe regelrecht Gewinn, da er wenig Investitionen voraussetze, keine Emissionen verursache sowie zur Gesundheitsprävention und damit zur Vermeidung von Krankheitskosten beitrage.

Die Forscher haben auch ausgerechnet, wie hoch eine Stadtmaut für Autos sein müsste, um öffentliche Zuschüsse und die verursachten Kosten auszugleichen. In Kassel müsse eine solche Maut demnach 12,2 Cent pro Kilometer betragen, 12,9 Cent in Bremen und 6,6 Cent in Kiel.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Hessen sieht sich durch die Studie bestätigt: "Es ist ein Irrglaube, dass Kfz- und Mineralölsteuern die Kosten des Autoverkehrs decken würden", sagt VCD-Sprecher Heiko Nickel. Die Studie räume mit dem Vorurteil auf, dass das Auto für die öffentliche Hand günstiger als Bus und Bahn sei. Schritte, um den Kostenunterschied zu verringern, seien ein Anheben des Dieselpreises, konsequente Gebührenpolitik beim Parken und eine streckenbezogene Pkw-Maut. Der VCD sei aber nicht für einen kostenlosen ÖPNV, sondern wolle einen "kostengünstigen und zuverlässigen Öffentlichen Personennahverkehr.

Der ADAC reagiert zurückhaltend auf das Forschungsprojekt: "Letztendlich braucht jede Art von Mobilität ein Mindestmaß an Infrastruktur, welche in Bau, Unterhalt und Wartung Geld kostet", erklärt Oliver Reidegeld von ADAC Hessen-Thüringen. Auch Busse des ÖPNV seien auf Straßen angewiesen und verursachten Verschleiß - der deutlich höher ausfalle als bei einem Auto. Zudem seien viele Menschen auf das eigene Auto angewiesen. Man müsse sie selbst das passende Fortbewegungsmittel wählen lassen.

dpa

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