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Museum zeigt Mittelalter-Justiz-Schau

Kassel Museum zeigt Mittelalter-Justiz-Schau

Ob Galgen, Richtbeil oder Scheiterhaufen - die Justiz von früher mutet heute grausam an. Das Kasseler Museum für Sepulkralkultur beschäftigt sich in einer neuen Sonderausstellung mit der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Justiz.

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"Zum Galgen" steht auf einem Straßensschild im Kasseler Museum. Foto: Uwe Zucchi

Kassel. „Folter und Hinrichtung sind wichtig gewesen zur Disziplinierung. Sie beruhten nicht auf Willkür, sondern regelten das gesellschaftliche Miteinander“, sagte Museumsleiter Reiner Sörries am Mittwoch. Die Schau mit dem Titel „Galgen, Rad und Scheiterhaufen - Einblicke in Orte des Grauens“, die zuvor leicht verändert in Mettmann und Erfurt lief, ist in Kassel von Samstagabend an bis zum 28. Mai zu sehen.

Gezeigt werden typische Strafgeräte wie Schandmasken, Fesseln oder Pranger, aber auch Hinrichtungswerkzeuge wie Galgen, Richtschwerter und -beile. „Hinrichtungen waren ein öffentliches Spektakel mit Jahrmarkt-Charakter und mehr als 1000 Zuschauern“, erzählte Kuratorin Ulrike Neurath-Sippel.

Während bei Galgen- und Beilhinrichtungen Männer exekutiert wurden, ereilte es Frauen meist auf dem Scheiterhaufen. „Frauen sollten nicht öffentlich ausgestellt werden“, betonte die Kuratorin. Zudem wurde ein Delinquent verbrannt, wenn man sichergehen wollte, dass dieser bis auf das Letzte vernichtet wird - Stichwort Hexenverbrennung. Unter den Ausstellungsstücken ist auch das mutmaßliche Skelett des Räuberhauptmanns „Schinderhannes“ zu sehen, der Ende des 18. Jahrhunderts in der Rhein-Main-Region sein Unwesen trieb, sowie eine Replik des Störtebeker-Schädels.

Zudem wird ein Blick auf den heutigen Umgang mit der Todesstrafe geworfen. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden 2010 in 67 Ländern Todesurteile ausgesprochen, rund 500 Urteile wurden vollstreckt. Die Dunkelziffer gehe allerdings wohl in die Tausende, sagte Neurath-Sippel.

Noch heute zeugen übrigens Straßennamen wie „Im Galgenfeld“ oder „Auf dem Richtberg“ von den früheren Orten des Grauens. Auf einem Stadtplan sind zudem die Hinrichtungsorte in Kassel zu sehen. Dazu werden auch Stadtspaziergänge angeboten.

dpa

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