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Millionenbetrüger Ruzicka als Zeuge vor Gericht

Prozesse Millionenbetrüger Ruzicka als Zeuge vor Gericht

Der wegen Untreue in Millionenhöhe verurteilte Werbemanager Aleksander Ruzicka (51) hat am Donnerstag in Wiesbaden als Zeuge in einem Schadenersatzprozess ausgesagt.

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Ruzicka (51) hat als Zeuge vor Gericht ausgesagt.

Quelle: Arne Dedert/Archiv

Wiesbaden. Ruzickas ehemaliger Arbeitgeber, die Media-Agentur Aegis Media, fordert 2,5 Millionen Euro von den früheren Inhabern der Werbeagentur ZHP, Reinhard Zoffel und Volker Hoff.

Hoff (CDU) war früher Minister für Europaangelegenheiten in Hessen und zuletzt Manager beim Autobauer Opel. Über die Agentur ZHP ist ein Teil der mehr als 35 Millionen Euro geflossen, um die Ruzicka Aegis Media geprellt hat. Er ist deswegen 2009 zu elf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden, seit 2010 ist das Urteil rechtskräftig.

Der Wirtschaftskrimi mit einer Vielzahl von Straf- und Zivilverfahren zieht sich seit 2005 hin, er spielt in einer Grauzone des Fernsehwerbemarktes. Es geht um Rabatte und Sendefreiminuten, die TV-Sender Großabnehmern wie den Media-Agenturen gewähren.

Wie Jahre zuvor im Strafprozess erläuterte Ruzicka auch am Donnerstag, wie in seiner Sicht das Geschäft mit TV-Werbung zwischen Sendern, Vermarktern, Media-Agenturen und Industrie läuft. Der Mann, der bis zu seiner Verhaftung 2006 als "Sonnenkönig" in der Branche galt und rauschende Partys schmiss, gab als Beruf nun "Chefredakteur einer Gefangenenzeitung" in der JVA Darmstadt-Eberstadt an.

Auch für eine kleine Werbeagentur wie ZHP habe es hohe Rabatte gegeben, rechnete Ruzicka vor. Tage zuvor hatten aber Vertreter der Vermarkter als Zeugen erklärt, angebliche Preisnachlässe von 90 Prozent seien "zum Schmunzeln".

Das Landgericht Wiesbaden hat Ruzicka für schuldig befunden, er habe Rabatte, die eigentlich Aegis Media zustanden, für sich genutzt. Mit Hilfe von Scheinrechnungen eigener Tarnfirmen habe er Geld von seinem Arbeitgeber abgezweigt.

Diese Deals liefen teilweise über ZHP. Hoff und Zoffel sagten im Strafprozess aus, sie hätten nicht von illegalen Machenschaften gewusst. Hoff nannte die komplizierten Abrechnungsverfahren Geschäfte in "gefühlter Größe". Im Ruzicka-Urteil bescheinigte der Richter dem Ex-Minister "erkennbar kultivierte Erinnerungslücken". Die Kammer könne aber nicht sicher feststellen, dass die ZHP-Partner Ruzickas Vorgehen durchschaut hätten. Die Staatsanwaltschaft hat gegen Zoffel ermittelt, aber nicht gegen Hoff.

Zu den noch anhängigen Verfahren zählt eine Schadenersatzklage von Aegis gegen Ruzicka über 20 Millionen Euro. Gegen mehrere Mitakteure Ruzickas ist Anklage erhoben, aber noch nicht verhandelt worden. Außerdem laufen noch staatsanwaltliche Ermittlungen gegen mehrere Personen.

dpa

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