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Lebenslange Haft für Babymörder

Vater erschlägt sein Kind Lebenslange Haft für Babymörder

Ein 23-Jähriger will ungestört eine DVD anschauen, doch sein Baby weint. Seine Wut lässt er an dem Säugling aus - und tötet ihn. Nun muss der Vater wegen Mordes ins Gefängnis.

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Der Angeklagte D. am Donnerstag im Verhandlungssaal des Landgerichts Limburg.

Quelle: Fredrik Von Erichsen

Limburg. Mit der Faust schlägt ein Vater auf sein weinendes Baby ein und verletzt es tödlich. Das Landgericht Limburg hat den 23-Jährigen deshalb am Donnerstag zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes verurteilt. Der Mann habe „ausschließlich aus selbstsüchtigen Gründen gehandelt“, sagte die Vorsitzende Richterin Karin Walter. „Er hat den Tod seines Sohnes zumindest billigend in Kauf genommen“, sagte sie. Der Angeklagte folgte der Urteilsverkündung ohne jede Regung.

Der 23-Jährige aus dem mittelhessischen Solms war im März 2013 abends mit seinen erst einen Monat alten Zwillingsbabys und einem anderen Kind alleine Zuhause. Die Mutter der Kinder war bei Nachbarn. Dem Urteil zufolge wollte er an diesem Abend in Ruhe eine DVD anschauen, doch sein Sohn weinte. Die beiden anderen Kinder schliefen ruhig in Nebenräumen.

Nach eigener Aussage versuchte der Vater, den Jungen unter anderem mit Tee zu beruhigen. Doch das gelang nicht. „Er entschloss sich, sein Kind gewaltsam ruhig zu stellen“, sagte die Richterin. „Er hat nur noch seine Wut rausgelassen.“ Dabei sei ihm sehr wohl bewusst gewesen, wie verletzlich kleine Kinder sind.

Anklagevertreter spricht von „Hinrichtung“

Im Prozess hatte der Angeklagte gesagt, dass ihm „die Sicherungen durchbrannten“ - und gab zwei Schläge auf die Brust des Babys zu. Er beteuerte jedoch, keine Erklärung für die schweren Kopfverletzungen des Säuglings zu haben. Der Junge starb an einem Hirnödem und Lungenverletzungen. Nach der Tat ging der 23-Jährige mit dem leblosen Baby zu den Nachbarn und gab vor, nicht zu wissen, was passiert war. Die Notärzte konnten dem Kind nicht mehr helfen.

Mit dem Urteil folgte das Landgericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf Totschlag und zwölf Jahre Haft plädiert. „Es ist eine menschliche Tragödie, die dahinter steckt“, sagte Anklagevertreter Frank Späth. Im Prozess hatte er die Tötung des Säuglings mit einer Hinrichtung verglichen. „Bei einem Baby sind die Knochen noch biegsam, so dass man enorme Gewalt aufwenden muss, um dem Kleinkind Schaden zuzufügen“, sagte er am Donnerstag.

Verteidigerin Christiane Bender beschrieb ihren Mandanten als einen Menschen, „der sicherlich Probleme damit hat, mit Emotionen umzugehen“. Während des Urteils habe er sich genauso zurückhaltend verhalten, wie im gesamten Prozess. Ob sie Revision gegen das Urteil einlegen wird, ist noch unklar.

von Katia Rathsfeld

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