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Landtagswahl 2018 Schäfer: Ein Torwart mit Finanzaffinität
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11:08 10.10.2018
Finanzminister Dr. Thomas Schäfer (CDU) vor dem Schloss Rauischholzhausen, an dessen Erhalt er in den vergangenen Jahren maßgeblich beteiligt war. Quelle: Tobias Hirsch
Rauischholzhausen

Biedenkopfer Wurzelbürger kann Dr. Thomas Schäfer nicht werden. Dabei ist er wohl das Paradebeispiel von „verwurzelt sein“. Aber diese Ehre bleibt nur denen vorbehalten, die in dritter Generation in Biedenkopf geboren werden. Und das ist er nun mal leider nicht. „Das kann ich auch nicht mehr ändern“, hat sich der hessische Finanzminister mit diesem Punkt in seiner Vita längst abgefunden. Er ist ja sozusagen auch selbst schuld, kam drei Wochen zu früh zur Welt, während eines Besuches seiner Mutter bei ihrer Mutter im Sauerland.

Nichtsdestotrotz ist Thomas Schäfer ein verwurzelter Biedenkopfer. Er ist „Gründungsmitglied“ des Kindergartens der Freien Evangelischen Gemeinde, wurde in der Stadtkirche konfirmiert, ist Gründungsmitglied der Jungen Union Biedenkopf, war Schulsprecher der Lahntalschule, mit 19 Jahren jüngster Stadtverordneter Hessens, und er war 20 Jahre Handball-Torwart beim TV Biedenkopf.

Zur Person

Name: Dr. Thomas Schäfer
Alter: 52
Wohnort: Biedenkopf
Mitglied der CDU seit: 1982
Listenplatz Landesliste: 11
Beruf: Finanzminister

Erst kürzlich wurde ihm in diesem Zusammenhang seine lockere Zunge zum Verhängnis. Er äußerte, dass er sich aus Spaß an der Freude in der 2. Mannschaft noch einmal ins Tor stellen würde. „Keine 48 Stunden später hatte ich einen Spielerpass und stand zwischen den Pfosten“, erzählt er lachend. Und er war über sich selbst überrascht: „Der Spagat gelang mir zwar nicht mehr so einfach, aber meine Beine habe ich schon noch sehr hoch bekommen.“

Die Gelenkigkeit hat er für seine Tätigkeit im hessischen Ministerium zwar bisher noch nicht gebraucht, aber das punktgenaue Konzentrieren schon. Ebenso ein hohes Maß an Gelassenheit. Nach 20 Jahren ehrenamtlicher Politik stand er 1999 vor der Wahl, den Blick auf den Taunus aus dem 38. Stock des Commerzbankturmes gegen einen Stuhl im hessischen Justizministerium einzutauschen. „Ich hatte mir immer brutal vorgenommen, erst hauptberuflich in die Politik einzusteigen, wenn ich beruflich abgesichert bin. Außerdem hatte ich mich bei der Commerzbank als Syndikusanwalt etabliert“, erinnert sich der heute 52-Jährige. Dann gab es einen kleinen Schubs von der Bank mit der Aussage, dass er jederzeit zurück wechseln könne.

„Und dann saß ich auf einmal im Ministerium in einem leeren Büro mit Bergen voller Akten. Und es kamen jeden Tag welche dazu.“ Als Büroleiter des Justizministers fungierte er als Filter, entschied, was politisch wichtig ist und zum Justizminister Christean Wagner weitergeleitet werden musste. Als promovierter Jurist hatte er da sehr schnell den Überblick. Nach drei Jahren wechselte er in die Staatskanzlei, wurde Büroleiter des Hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.

Und er lernte bei einer Indienreise mit einer hessischen Delegation den Dalai Lama in Dharamsala kennen. Eine Begegnung der besonderen Art, aus der eine enge Bekanntschaft wurde. Erst kürzlich hat Thomas Schäfer den buddhistischen Mönch in Darmstadt wieder getroffen. Für diese Begegnungen ist der Biedenkopfer dankbar. Denn sein Job im Ministerium kostet ihn auch viel Freizeit. Wenn er sich bei Abendterminen gegen seine Familie entscheiden muss, dann fällt dem Vater zweier Kinder das schwer. „Aber es ist eben mein Beruf und auch mein Hobby. Das Arbeitspensum schafft man nicht, wenn man ‚Minister sein‘ als Job sieht.“

Funklöcher reduzieren

Während der großen Wirtschaftskrise, als General Motors in die Insolvenz rutschte, kümmerte er sich ein Jahr fast ausschließlich darum, Opel in Darmstadt zu retten. „So viele Flugmeilen habe ich nie wieder gesammelt, wie in diesem einen Jahr.“ Er flog mehrmals im Monat nach Detroit, führte internationale Konferenzen, verhandelte mit Geschäftsleuten aus der ganzen Welt. „Eine Erfahrung, die mich physisch als auch psychisch an meine Grenzen brachte. Aber ich habe sehr, sehr viel gelernt. Und es sind dauerhaft bleibende Verbindungen entstanden, die bis heute Bestand haben.“

Die 25-Stunden-Tage, übertrieben gesagt, haben auch sein Familienleben auf eine harte Probe gestellt. Als die Brückenfinanzierung stand und sich das Arbeitsleben von Thomas Schäfer wieder normalisierte, hat seine Frau festgelegt: „Einen Opel wird sie in diesem Leben nicht mehr fahren.“

Für die nächste Legislaturperiode sieht er schon noch ein paar Aufgaben in seinem Wahlkreis. Investitionen in die Infrastruktur fallen ihm sofort ein, ebenso der flächendeckende Ausbau des Glasfasernetzes. „Insbesondere für innovative Arbeitszeitmodelle ist eine schnelle Internetverbindung unumgänglich. Das gleiche gilt für die Digitalisierung der Schulen. Da müssen noch ein paar Löcher in die heimischen Straßen gebuddelt werden.“ Ebenso will er es noch vor 2025 schaffen, flächendeckend die Funklöcher zu reduzieren, „sodass man wenigstens ohne Unterbrechungen telefonieren kann.“

Bei der Optimierung des Finanzausgleiches zwischen Städten und ländlichem Raum hatte er immer beides im Blick. Denn er weiß als Biedenkopfer genauso was im ländlichen Raum fehlt, als auch als Minister was in den Städten benötigt wird. Dieses Regeln, dieses Gestalten, das findet er spannend. Genauso wie das Kartoffelbraten in Biedenkopf, das er auf jeden Fall besuchen
wird, auch wenn er kein Wurzelbürger werden kann.

von Katja Peters