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Landtagswahl 2018 Satiriker will UB „ganzjährig fluten“
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Satiriker will UB „ganzjährig fluten“
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09:08 13.10.2018
Der Marburger Student Nico Weisenfeld tritt für Die Partei als ­Direktkandidat im Wahlkreis 13 an. Quelle: Privat
Marburg

Die Zeit des Wahlkampfs ist die Zeit kurioser Ideen. In Marburg-Biedenkopf machen dann auch die Vertreter der kleinen Parteien traditionell auf sich aufmerksam. Nico Weisenfeld ist einer von ihnen. Der 25-jährige Student aus Marburg tritt im Wahlkreis 13 für Die Partei an.

Die Partei – das ist eine Abkürzung für die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative. 2004 gründeten Mitglieder des Satiremagazins Titanic die Gruppierung. Ihr Vorsitzender ist Martin Sonneborn, der 2014 ins Europäische Parlament gewählt ­wurde. In Marburg-Biedenkopf machen die Humoristen bei Wahlen gerne auf sich aufmerksam – kein Wunder, entstand doch innerhalb von zwei Wochen nach der Gründung der Partei im Landkreis der erste Ortsverband deutschlandweit.

„Das Unausweichliche einfach beschleunigen“

Nun also Weisenfeld. Der Marburger möchte „die neue Universitätsbibliothek ganzjährig fluten“. Dass das „spottbillige Gebäude“ kurz nach seiner Eröffnung bei einem Unwetter im Mai direkt einen Wasserschaden erlitten hatte, zeige, dass „die Flutung nicht nur im Sinne des Architekten zu sein scheint, sondern das Unausweichliche auch einfach beschleunigt werden kann“.

Die Flutung der UB bietet laut Weisenfeld gleich mehrere Vorteile. Aus dem Gebäude ­könne man im Sommer ein Lehrschwimmbad machen und im Winter eine Eissporthalle, meint er. „Wie Sie sehen, steht meine Politik im Zeichen logischer Schlussfolgerungen“, sagt der 25-Jährige.

Zur Person

Name: Nico Weisenfeld
Alter: 25
Wohnort: Marburg
Mitglied Die Partei seit: 2017
Listenplatz Landesliste: 21
Beruf: Student

Dass Weisenfeld überhaupt zur Landtagswahl antritt, ­liege daran, dass er „es bis zur Abgabe aller Unterlagen mal aus dem Bett geschafft hat und es eine bessere Wahl auch gerade nicht gab“. Als Motivation für sein politisches Engagement gibt er „das in Aussicht stehende Geld“ sowie eine ausgeprägte „Profilneurose“ an. Sich selbst beschreibt Weisenfeld als eine ­Mischung aus Stadt und Dorf: „Ein bisschen innovativ und ein bisschen abgehängt“, weshalb er in Marburg wohne.

Wie man anhand der Idee, die UB zu fluten, sieht, denkt Weisenfeld groß. Deshalb wies er die Frage des hessischen Rundfunks, mit wem er denn koalieren würde, auch direkt zurück. Denn: Er rechne fest mit einer absoluten Mehrheit für seine Partei, sagt er.
Spätestens hier sollte jedem klar sein, dass man Weisenfelds Forderungen nicht allzu ernst nehmen sollte. Allein der Einzug in den hessischen Landtag ist schon äußerst unwahrscheinlich.

Denn im Gegensatz zur Europawahl muss Die Partei bei der Wahl am 28. Oktober mindestens fünf Prozent der Stimmen erreichen, um in den Landtag einzuziehen. Immerhin: Bei der vergangenen Bundestagswahl erzielte Die Partei 1,0 Prozent der Zweitstimmen und ist damit, nach den Freien Wählern, zweitstärkste außerparlamentarische Kraft.

Und falls Weisenfeld wider Erwarten sogar das Direktmandat gewinnen sollte, weiß er auch schon, über was er seine erste Rede im hessischen Landtag hält. „Irgendetwas Belangloses mit regionalem Bezug“, sagt der Satiriker.

von Tobias Kunz