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Landtagswahl 2018 Ramelow: Neue Ideen statt alte Modelle
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00:17 12.10.2018
Linken-Direktkandidat Jan Schalauske (vorne, links) und Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (rechts) informieren sich bei Geschäftsführer Jörg Kempf über die Altenhilfeeinrichtung St. Jakob in Cölbe. Quelle: Foto: Nadine Weigel
Cölbe

Der thüringische Ministerpräsident und ­Ex-Marburger Bodo Ramelow hat am Montagmittag die Altenhilfeeinrichtung St. Jakob in Cölbe besucht. Dort führten Geschäftsführer Jörg Kempf und Pflegedienstleiter Bernd Grüßges ­Ramelow sowie Jan Schalauske und Dr. Ingeborg Cernaj, die Direkt­kandidaten der Linken zur Landtagswahl, knapp anderthalb Stunden durch das Haus und über die Anlage.

Ramelow wollte in Cölbe „neue Ideen entdecken“ und nahm die Altenhilfeeinrichtung ausgiebig in Augenschein. „Wir brauchen neue Konzepte. Die alten Modelle werden dem Bedarf nicht gerecht“, sagte Ramelow.

In Cölbe leben die Senioren in Hausgemeinschaften zusammen. Jeder Heimbewohner hat ein eigenes Zimmer mit Bad als Rückzugsort. In der gemeinsamen offenen Küche kochen die Gemeinschaften zusammen. So soll eine „wohnliche Atmosphäre“ entstehen, ­sagte Geschäftsführer Kempf: „Wir wollen keinen Krankenhaus-Charakter.“ Ramelow fiel dies sofort auf. „Es riecht hier schon ganz anders“, sagte er. Grund dafür ist eine eigenen Be- und Entlüftungsanlage, erklärte Kempf. „Das kostet zwar Geld, ist es uns aber wert“, sagte er.

Die Einrichtung befindet sich in öffentlicher Trägerschaft. Die Quote der Einrichtungen, die in kommunaler Hand sind, bezifferte Kempf auf etwa fünf Prozent. Ein Wert, den insbesondere Schalauske gerne anheben würde. „Die öffentliche Trägerschaft ist wichtig“, sagte Schalauske, wenngleich er bereits ein Umdenken in der Politik ausgemacht hat. ­Beispielsweise seien Ärztezentren früher belächelt worden, heute jedoch
„das Thema“.

Für Schalauske ist dies noch nicht genug. Der Staat ­dürfe nicht schlanker werden. Die sei schlecht für die Betroffenen. „Wir brauchen mehr Geld im System“, forderte er und bezog klar Stellung gegen Privatisierungen.

Ramelow setzt seine Hoffnung für die Zukunft der ­Pflege auf die Digitalisierung. Sie dürfe aber nicht die herkömmliche Pflege vollends verdrängen. „Wir stehen vor der größten Verrentungswelle aller Zeiten. Wenn wir die Rationalisierung nicht bekommen, wird es eng. Wir brauchen beides“, sagte der thüringische Landeschef.

Zugleich sprach er sich für verschiedene Konzepte, ein breites Angebot und gegen „standardisierte Sachen“ aus. Kempf pflichtete ihm da bei. „Nicht ­jedes Konzept passt überall hin“, sagte er.

von Tobias Kunz