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Landtagswahl 2018 Markert: Geboren, um Politik zu machen
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11:08 10.10.2018
Den Kirchhainer Anna-Park wählte Eric Markert als Kulisse für die Fotos zu seinem Kandidatenporträt. Quelle: Nadine Weigel
Kirchhain

Mit 13 beginnt Eric Markert, sich zunehmend für Politik zu interessieren – weil er sich empört über die „unfaire Art und Weise“, wie damals mit dem umstrittenen Buchautor ­Thilo Sarrazin umgegangen worden sei. Mit 16 tritt er der eben erst gegründeten Alternative für Deutschland (AfD) bei. Mit 18 wird der Kirchhainer Chef des Kreisverbands, zieht kurz darauf in den Kreistag ein, sitzt dort in mehreren Ausschüssen. Als 21-Jähriger ist er Landtagsdirektkandidat im Wahlkreis 13.

Dass er den Sprung nach Wiesbaden dieses Jahr schafft, ist eher unwahrscheinlich. Dazu müsste er das Direktmandat gewinnen, denn auf der Landes­liste der AfD ist er nicht vertreten. „Ein Leben für die Politik“, das gilt auch für den beruflichen Werdegang. Markert studiert in Marburg Politikwissenschaften, will schon bald den Bachelorabschluss in der Tasche haben, den Master draufsatteln. Und promovieren, sagt er. Wohin ihn das später führt, wisse er noch nicht. Doch wenn man ihm zuhört, liegt es nahe, dass es eher Richtung „Politik machen“ statt „Politik analysieren“ gehen wird.

Zur Person

Name: Eric Markert
Alter: 21
Wohnort: Kirchhain
Mitglied der AfD seit: 2013
Listenplatz Landesliste: /
Beruf: Student der Politik­wissenschaften

Aufgewachsen in Stadtallendorf und Kirchhain, hat er an der Alfred-Wegener-Schule Abitur gemacht. „Unsere Familie stammt, das kann man durchaus sagen, aus prekären Verhältnissen, wir hatten nicht so viel Geld – aber wir haben es geschafft, uns da hochzu­arbeiten und erfolgreich in der ­Gesellschaft zu sein.“ Vor allem seiner Mutter zolle er für diese Lebensleistung großen Respekt. Vorbilder findet Eric Markert ebenfalls in der Politik, bei Staatsmännern wie Konrad Adenauer („für das Wirtschaftswunder“) und Helmut Schmidt („für seine Ehrlichkeit in der ­Politik“).

Markert liest viel, und meist hat auch das mit Politik zu tun. Die letzten beiden Bücher? „Das war eine rechtliche Ausarbeitung von Professor Karl ­Albrecht Schachtschneider über die Euro-Rettungspolitik“, erinnert sich Markert. Und: „Die 68er-Bewegung in Deutschland, Westeuropa und den USA“ von der Historikerin Ingrid Gilcher-Holtey.

Liest er auch etwas zum Vergnügen? Ja, sagt Markert prompt, in der Schule habe er sich gern mit Romanen und Dramen auseinandergesetzt, Goethes „Faust“ etwa oder „Kabale und Liebe“ von Friedrich Schiller. Das habe ihm viel Freude gemacht, aber heute habe er dafür keine Zeit mehr. Eine Sache gibt es aber doch, bei der er richtig gut abschalten kann. Vorwiegend nachts misst er sich online in Renn- und Actionvideospielen mit Gegnern aus aller Welt. Da komme man mit vielen interessanten Menschen in Kontakt, schwärmt er.

Doch wofür steht Eric Markert politisch? Er betont die Schwerpunkte Bildung und Innere Sicherheit, will vor allem mehr Investitionen, etwa bei der Sanierung von Schulgebäuden und in die Polizei. Damit unterscheidet er sich noch kaum von Mitbewerbern anderer Parteien. Gegen die „Gängelung“ von Dieselfahrern ist er auch, „freie Fahrt für freie Bürger“ finde er richtig.

Und dann ist da das Thema Extremismus. Das Gefühl, dass in Deutschland der Rechtsextremismus im Vergleich mit dem von links überbetont werde, begleitet ihn schon seit 2010. Der Aufhänger war auch da Sarrazin: Als damals 13-Jähriger habe er sich in Frankfurt in diesem Zusammenhang an einer „Demo für Meinungsfreiheit“ beteiligt, sei dafür von linken Gegendemonstranten heftig angegangen worden – „als Kind“. Ab dieser Zeit habe er sich auch mit den Inhalten der anderen politischen Parteien auseinandergesetzt und kam zu dem Schluss, „dass gerade was das Thema des politischen Extremismus angeht, eine sehr einseitige Politik gemacht wird“.

Das Engagement gegen rechts sei gut, aber es werde nicht im gleichen Maße etwas gegen die anderen Formen des Extremismus gemacht. „Ich glaube, es ist auch ein Verdienst der AfD, dass man heute auch über Linksextremismus gleichberechtigt redet.“ Es ist ein Thema, das ihn auch persönlich anfasst. Markert verweist etwa auf einen Farbbeutel­angriff auf sein Wohnhaus und einen Übergriff mit Pfefferspray auf ihn durch Vermummte in diesem Sommer. In beiden Fällen blieben die Täter bislang unbekannt.

Markert sieht seine Aufgabe darin, im Parlament Politik zu gestalten, nicht auf der Straße. Demonstrationen seien Sache „der Zivilgesellschaft“. Die Bewegung „Wir sind mehr“ ist ihm suspekt, weil dort aus seiner Sicht parteipolitisch gegen die AfD Politik gemacht werde. Er halte es für falsch, die ohnehin aufgeheizte Stimmung auf diese Weise weiter anzufachen. „Ich finde, wir sollten da mehr aufeinander zu gehen.“ Und: „alle Differenzen fair in einem sachlichen Wettstreit austragen.“ Er nehme die eigene Partei da nicht aus, „weil es auch bei uns Leute gibt, die sich unangemessen äußern, das missfällt mir auch.“

Das klingt nach einer Distanzierung von jenen, die in der AfD deutlich radikalere Töne anstimmen. Ob dahinter Taktik oder Überzeugung steht, lässt sich in einem gut einstündigen Gespräch kaum ergründen. Markert vermeidet ­klare Aussagen zu Parteifreunden, die in der Öffentlichkeit für Empörung gesorgt haben. Die Partei sanktioniere Fehlverhalten ja konsequent. Auf der Facebookseite des Kreisverbands würden nicht alle AfD-Sprüche geteilt, es werde selektiert.

Markert gibt den Medien eine Mitschuld ­daran, dass die AfD häufig über die „Ausfälle“ von einzelnen Mitgliedern wahrgenommen werde und weniger „über ihre Sachpolitik“. Doch manches gehe auch ihm zu weit. In der ­Jugendorganisation Junge Alternative (JA) sei er kein Mitglied, sagt Markert. Diese war zuletzt auch ins Blickfeld des Verfassungsschutzes gekommen. „Was da teilweise geäußert wird, das behagt mir nicht“, sagt Markert. Das liege wohl daran, mutmaßt der 21-Jährige, „dass das junge Leute sind und es dort keine Autoritäten gibt“. Aber: Die Mutterpartei solle und werde da jetzt eingreifen.

von Michael Agricola