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Landtagswahl 2018 Landwirte müssen Bedürftigkeit nachweisen
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Landwirte müssen Bedürftigkeit nachweisen
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00:17 26.09.2018
Robert Botthof (von links) zeigte Julia Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) und und dem CDU-Landtagskandidaten Dirk Bamberger seinen Betrieb. Quelle: Thorsten Richter
Niederklein

Zielgruppe auf dem Hof der Familie Botthof: die heimischen Landwirte. Die waren gekommen, um bei Kaffee und Kuchen in der Maschinenhalle Einschätzungen der Christdemokratin zur aktuellen Lage zu hören. Das Erntejahr ist schlecht. Es wurden dürrebedingte Schäden in Höhe von 680 Millionen Euro angemeldet. Der heiße und trockene Sommer haben auch der heimischen Landwirtschaft zugesetzt.

Zum Schluss ihres Vortrages ging die ehemalige Deutsche Weinkönigin, die auf einem Weingut unweit von Bad Kreuznach aufwuchs, auf das Thema ein. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881 sei ein solches Phänomen aus Hitze und Trockenheit in Deutschland noch nicht vorgekommen.

Der Bauernverband habe früh im August ein Notprogramm gefordert. Zu früh, weil sich zeigen sollte, dass in einigen Regionen des Landes durchschnittliche Ernten eingefahren worden seien. Gleichwohl verteidige sie die Nothilfe-Verordnung, da die deutsche Landwirtschaft systemrelevant sei. Ebenso bekannte sie sich zur Bedürftigkeitsprüfung, der sich die Antragsteller unterziehen müssen. Sie begründete dies mit dem Trend branchenfremder Konzerne, im großem Stil Flächen anzukaufen, um diese bewirtschaften zu lassen. Ohne die Bedürftigkeitprüfung könnten auch diese Konzerne Nothilfe beantragen.

Ein Teil der Bundesmittel für die Nothilfe stammen aus Haushaltsresten, die ohnehin für Landwirtschaft bestimmt sind, erklärte ein Landwirt. Da werde etwas suggeriert, was nicht eingehalten werde, beklagte der Landwirt. Diesen Vorwurf wies die Landwirtschaftsministerin zurück. 70 Millionen des etwa 170 Millionen Euro schweren Bundesanteils stamme aus von einigen Bundesländern nicht abgerufenen Mitteln für die Landwirtschaft, der Rest aus dem Bundeshaushalt. Das sei ein normales Verfahren, das absichere, dass die 70 Millionen nicht aus dem nächsten Haushalt gestrichen werden.

„Ich werfe mich vor die Landwirtschaft, und ich diskutiere kritisch mit der Landwirtschaft.“ Dieser Satz von Julia Klöckner war mehrfach zu hören. Sie las den Landwirten, den Verbrauchern und den Discountern die Leviten. Die Landwirte müssten mehr für ihr Image tun, aufklären über das, was hinter ihren Erzeugnissen steckt. So brauche es für einen Apfel 1.000 Liter Wasser, für ein Brot sogar 12.000 Liter Wasser. Die Landwirte müssten ihre Erzeugnisse den Verbrauchern näher bringen, verdeutlichen, dass man mit einer Kartoffel mehr anfangen kann, als mit einem Fertiggericht. „Gute Nahrungsmittel sind ihren Preis wert“, sagte sie.

Die Schweinehalter in Niedersachsen müssten sich dem Nitratproblem des Landes stellen. Und sie war dafür, was Landwirte ohnehin allein aus Kostengründen und mit Rücksicht auf ihr Land tun: Dünger und Pflanzenschutzmittel passgenau auftragen. „Die Jungen müssen Spaß am Betrieb haben und auch von ihm leben können“, blickte sie in die Zukunft der Landwirtschaft. Zu der gehöre die Digitalisierung, die von der Feldkontrolle bis zur Tiergesundheit hilfreich sei.

Von den Verbrauchern forderte sie mehr Wissen und mehr Ernährungskompetenz. „Jeder hat eine Meinung, wie Landwirtschaft geht“, sagte sie und wertete das als Missachtung des Berufsstandes.  Wie wenig Wertschätzung die Landwirtschaft entegengebracht werde, zeige sich an der Supermarktkasse. Ein synthetisches Produkt wie Cola sei teurer als Milch.

CDU-Direktkandidat Dirk Bamberger moderierte die Veranstaltung. Neben ihm sprachen Marian Zachow und Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbandes.  

von Matthias Mayer