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Landtagswahl 2018 Bosbach: „Menschen wollen so leben wie wir“
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00:17 11.10.2018
Ein Mann der großen Gesten und Worte: CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach sprach in Fronhausen vor gut 200 Menschen. Quelle: Nadine Weigel
Fronhausen

Vor etwa 200 Gästen hat Wolfgang Bosbach am Freitagabend im Bürgerhaus Fronhausen einen flammenden Appell für deutschen Patriotismus und den europäischen ­Gedanken gehalten. Der frühere stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Union forderte seine Zuhörer auf, sich aktiv politisch zu engagieren. „Eine Demokratie ohne ­Demokraten kann nicht funktionieren“, sagt Bosbach, der von einer Parteien- oder Politiker-, aber nicht Politikverdrossenheit in Deutschland sprach.

Dr. Thomas Schäfer, der Kreisvorsitzende der CDU, freute sich darüber, dass Bosbach in einer „nicht einfachen Zeit für die Union“ seine Parteikollegen in den Wahlkämpfen in Hessen und Bayern unterstützt. Bosbach, der 2017 nach 23 Jahren auf eigenen Wunsch den Bundestag verlassen hatte, sei „einer der profiliertesten Innenpolitiker Deutschlands“.

Er sei stolz auf die Verdienste der CDU, sagte Bosbach, aber auch auf sein Land. Man müsse dabei aber zwischen Nationalismus und Patriotismus unterscheiden können. „Wir wollen unser Vaterland lieben, wie es Menschen in anderen Länder auch tun“, sagte Bosbach, der als Beispiel die Nationalfeiertage in Frankreich und den USA nannte. Auch wenn er ähnlich frenetische Feierlichkeiten hierzulande nicht erwartet. Denn die Fröhlichkeit und Zufriedenheit seien keine „Kernkompetenzen“ der Deutschen. „Wenn wir Licht am Ende des Tunnels sehen, verlängern wir den Tunnel“, sagte Bosbach.

„Milliarden Menschen haben nur einen Wunsch: Sie wollen genauso leben wie wir“, rief Bosbach seinen Zuhörern zu und warb dafür, sich auf den europäischen Grundgedanken zurückzubesinnen. Dieser sei nicht der Euro oder der Freihandel, sondern ein Zusammenleben in Frieden. Die Europäische Union zu verlassen und zum Nationalstaat zurückzukehren sei „der größte politische Fehler, den wir machen können“, sagte Bosbach.

Auf dem Weltmarkt habe eine einzelne kleine Nation keine Chance. „Wir halten uns für den Mittelpunkt der Welt, sind es aber nicht. Wenn wir uns in Europa nicht einig sind, werden wir marginalisiert“, sagte Bosbach, der nach dem Austritt Großbritanniens strikte Konsequenzen fordert. „Es muss einen klaren Schnitt geben“, sagte Bosbach. Nur, wenn es weiterhin offenkundig von Vorteil sei, Mitglied zu bleiben, würden andere Staaten von diesem Schritt abgeschreckt.

Zudem sprach Bosbach über Migration und die Flüchtlingspolitik. Dass 60 bis 70 Prozent der ankommenden Flüchtlinge­ keine Papiere hätten, sieht er kritisch. „Wir müssen wissen, wer in unser Land kommt“, sagte der Rheinländer, der betonte, dass es sich dabei ausdrücklich um seine eigene Meinung handelte. Gleichwohl betonte Bosbach auch: „Wir hatten und werden immer Zuwanderung haben.“ Er habe mehr Sorgen vor einer Entchristianisierung als vor einer Islamisierung. Und dafür, dass das Christentum in Deutschland weniger gelebt werde, „sorgen wir selbst“.

Die wichtigste Investition in die Zukunft ist für Bosbach die Bildung. Während Deutschland in den alten Industriezweigen noch stark sei, laufe es den neuen Entwicklungen hinterher. Deshalb forderte er eine Investition in die „Köpfe“, denn es gäbe zukünftig immer weniger Berufe auf der Grundlage von „Muskelkraft“. Bosbach machte dies anhand eines Beispiels deutlich: „Von den zehn größten Firmen weltweit stellen fünf gar nichts mehr her.“ Beispielhaft nannte er das börsennotierte Unternehmen Alphabet, das vor allem für sein Tochterunternehmen bekannt ist: der Internetsuchmaschine Google.

von Tobias Kunz