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Landtagswahl 2018 Beim Thema Windkraft rumort der Saal
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Beim Thema Windkraft rumort der Saal
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00:17 04.10.2018
An der Podiumsdiskussion zum Thema Windkraft im Bürgerhaus Cappel beteiligten sich Dirk Bamberger (CDU, von rechts), Dr. Fabio Longo (SPD), Angela Dorn (­Bündnis 90/Grüne), Christian Bubel (Die Linke), René Rock (FDP) und Hakola Dippel (AfD). Quelle: Thorsten Richter
Cappel

Zwischenzeitlich glich das voll besetzte Bürgerhaus einem emotionalen Hexenkessel. Die Stimmung war gereizt, Zwischenrufe und frenetischer Applaus wechselten sich ab – je nach Contra- oder Pro-Aussage der Podiumsteilnehmer. Sehr deutlich überstieg im Publikum die Anzahl der Windkraftgegner die der Befürworter – auf dem Podium: Pari.

Die wohl schwierigste Aufgabe hatte die Grünen-Kandidatin Angela Dorn (MdL). Sie sah sich oft in der Verteidigerrolle und hatte Schwierigkeiten, die Position ihrer Partei den Zuhörern so zu vermitteln, dass sie positiv rüberkommt. Der SPD-Vertreter Dr. Fabio Longo, der in Vertretung für die erkrankte Handan Özgüven (MDL) das Parteiprogramm zum Thema Windkraft sowie seine eigene Auffassung, nämlich Demokratisierung – Kommunen sollten selbst entscheiden, ob sie Windparks wollen oder nicht – gebetsmühlenartig wiederholte, musste weitaus weniger aushalten als Dorn.

Eine klare Position gegen noch mehr Windräder in Hessen bezog René Rock (MdL). Er hatte leichtes Spiel im Dialog mit dem Publikum, denn das FDP-Parteiprogramm passte wie Topf auf Deckel am besten zur vorgefassten Meinung der meisten Zuhörer.

Auch Dirk Bamberger, der als Spitzenkandidat für die CDU auf einen Platz im Landtag schielt, war mit seiner persönlichen Meinung gegen weitere Windräder nicht weit weg vom Publikum. Im Wahlprogramm der CDU steht allerdings, dass sie auch weiterhin für den Ausbau der Windenergie auch in den Wäldern ist und will auch weiterhin Flächen des Landes bereitstellen.

Für die Linken formulierte Kreisvorsitzender Christian Bubel ein klares Ja zum Ausbau der Windenergie. Auf der Welle der Sympathie ritt kurzzeitig Hakola Dippel (AfD), der das Parteiprogramm rezitierte, das keinen Bau von Windrädern in Wäldern sowie die Abschaffung der EEG-Umlage vorsieht.

Die dreistündige Veranstaltung zog sich bisweilen zäh in die Länge, weil während der Diskussionsrunde keine klare Linie erkennbar wurde. Doch eines ist den Veranstaltern gelungen: Wer unvoreingenommen zur Veranstaltung kam, geriet spätestens nach der Expertenrunde, die schädliche Folgen für Umwelt und Mensch darstellten sowie die Sinnhaftigkeit des Ausbaus von Windparks infrage stellte, ins Grübeln.

Natürlich mussten sich die Veranstalter den Vorwurf der Unausgewogenheit gefallen lassen. Doch das Vorhaben, über die Ziele der Windkraft-Gegner zu werben, ist geglückt.

von Silke Pfeifer-Sternke