Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Landtagswahl 2018 Bamberger: Zuspitzer, mitten aus dem Leben
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 Bamberger: Zuspitzer, mitten aus dem Leben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:58 01.10.2018
Dirk Bamberger (CDU) vor seinem Elternhaus am Schuhmarkt in Marburg. Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Was treibt einen Menschen, der erfolgreich in seinem Beruf ist, der in Marburg lebt und hier seine Familie hat, sich um ein Mandat im hessischen Landtag zu bewerben – was gleichbedeutend mit dem Wechsel in die hauptamtliche Politik ist? „Ich möchte etwas für die Region erreichen, die Interessen der Region in Wies­baden vertreten“, sagt Dirk Bamberger (45), und dann schiebt er hinterher: „Es tut der Politik gut, wenn sich jemand politisch engagiert, der mitten in der Gesellschaft steht“, sagt er mit einem Seitenhieb auf „Berufspolitiker“ jeglicher Couleur.

Mitten in der Gesellschaft, das heißt bei Bamberger: aufgewachsen in der Marburger Oberstadt, aktiv in der Feuerwehr Marburg und im Feuer­wehr-Blasorchester, ­beruflich in leitender Position bei einem heimischen ­Kreditinstitut, ehren­amtlich engagiert unter anderem für Gehörlose, weil beide Eltern gehörlos sind.

Deswegen hat sich Bamberger besonders gefreut, dass er beim letzten Landesparteitag der CDU einen Antrag durchsetzte, der die Einführung eines Gehörlosengeldes in Hessen fordert. Der Antrag wurde vom Parteitag einstimmig angenommen –
obwohl die Hessen-CDU traditionell einer solchen Einführung skeptisch gegenüberstand. „Das zeigt mir, dass man etwas bewegen kann, auch wenn man in der Landespartei ein kleines Licht ist“, sagt Bamberger.

Zur Person

Name: Dirk Bamberger
Alter: 45
Wohnort: Marburg
Mitglied der CDU seit: 1996
Listenplatz Landesliste: 50
Beruf: Bankkaufmann, stellvertretender Bereichsdirektor

Vor knapp vier Jahren erst wurde Bamberger einer größeren Öffentlichkeit als Politiker bekannt. Damals wurde er von der CDU als Kandidat für das Oberbürgermeisteramt nominiert. Bamberger unterlag zwar dem SPD-Kandidaten und heutigen Amtsinhaber Dr. Thomas Spies in der Stichwahl, aber er holte auf Anhieb 40 Prozent der Stimmen – eine Leistung, die im traditionell linken Marburg lange kein Christdemokrat erreicht hat.

Ein Jahr später, bei der Kommunalwahl im Jahr 2016, vereinte Bamberger hinter dem bereits im Amt befindlichen Dr. Thomas Spies (SPD) die meisten Stimmen aller Bewerber auf sich. Bamberger, daran besteht kein Zweifel, kann Wahlkampf.

Jetzt also der dritte Wahlkampf in drei Jahren – und diesmal geht es um hopp oder topp: Holt Dirk Bamberger nicht das Direktmandat für den Wahlkreis 13, zieht er nicht in den Landtag ein. Dasselbe gilt für seine sozialdemokratische Mitbewerberin Handan Özgüven – auch sie hat keine Chance, über die Landesliste in den Landtag einzuziehen. Das Duell Bamberger gegen Özgüven ist also sozusagen eine Stichwahl – the winner takes it all, alles oder nichts.

Der Ausgang ist völlig offen – Bamberger weiß, dass er in der Stadt Marburg wohl hinter Özgüven liegen wird, und setzt seine Hoffnungen auf die Städte und Gemeinden im Ostkreis. Dabei geht er keiner Auseinandersetzung aus dem Weg, schon aus dem Oberbürgermeister-Wahlkampf galt er als Meister der Zuspitzung – vielleicht einer der Gründe, warum Bamberger bei vielen SPD-Anhängern als Vertreter des konservativen CDU-Flügels gilt.

Er selbst sieht das nicht so, verweist auf seine Haltung gegen die Privatisierung des Universitätsklinikums, auf sein sozialpolitisches Engagement. Scharfes politisches Profil zu zeigen sei für ihn aber eine Selbstverständlichkeit – „viel zu oft wird der Politik vorgeworfen, dass sie zu wenig Alternativen an­bietet.“

Apropos Alternativen: Die Alternative für Deutschland kommt, sollte sie in den Landtag einziehen, für Bamberger als Koalitionspartner der CDU nicht infrage. „Das schließe ich aus, für eine solche Koalition stehe ich weder mit meiner Stimme noch mit meiner Person zur Verfügung.“ Bamberger macht keinen Hehl daraus, dass er für Wiesbaden kein Freund einer großen Koalition mit der SPD ist. Am liebsten wäre dem Marburger, der sich in der Kommu­nalpolitik gerne an den Grünen reibt, die Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition. „Das war eine erfolgreiche Zusammenarbeit“, sagt er. „Erstaunlich gut“ habe das funktioniert, vor allem in der Wirtschaftspolitik.

Und die Übernahme der Betreuungskosten für Kinder ab drei Jahren und für sechs Stunden am Tag durch das Land sei ein „großer Wurf“ – „leider wird bei uns vieles kleingeredet.“

von Till Conrad