Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Landtagswahl 2018 BUND fordert endgültigen Ausstieg
Mehr Hessen Landtagswahl 2018 BUND fordert endgültigen Ausstieg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:19 01.10.2018
Podiumsdiskussion des BUND Hessen mit Michael Boddenberg (ab Zweiter von links, CDU), Angela Dorn (Grüne), Angelika Löber (SPD) und Dr. Ingeborg Cernaj (Linke). Quelle: Thorsten Richter
Marburg

Die Energiewende als Puzzle, bei dem man im Grunde nur noch die bereits vorhandenen Teile richtig zusammenfügen müsse – so beschrieb es die Vorsitzende der hessischen Grünen, Angela Dorn, bei der vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und dem Verein Sonnenini­tiative organisierten Podiums­diskussion zum Thema Energie- und Klimapolitik.

Gabriela Terhorst, stellver­tretende Landesvorsitzende des BUND, stellte zunächst die Forderungen des BUND an die Politik vor. Braunkohle, wie sie auf dem Gelände des Hambacher Forst abgebaut werden soll, sei die schmutzigste Energieform überhaupt. Daher fordere man einen Ausstieg aus der Braunkohle bis 2025. Durch Gebäudesanierungen solle der Energiebedarf bis 2020 halbiert werden, Windkraftanlagen sollten verdoppelt und Photovoltaikanlagen verdreifacht werden.

Moderator Florian Schwinn  sprach bezüglich des Themas Windkraft die stillstehenden Windkraftanlagen an, die er auf der Anreise bemerkt habe. Die Landtagsabgeordnete Angelika Löber (SPD) pflichtete Schwinn bei, indem sie anmerkte, stillstehende Windkraftanlagen seien den Bürgern schwer vermittelbar. Daraus ergebe sich ein Akzeptanzproblem der Anlagen in der Bevölkerung. Angela Dorn führte aus, was der Grund für stillstehende Windkraftanlagen sei. Es befinde sich so viel Strom im Netz, dass man die Anlagen ausschalten müsse. Diesen Überschuss an Strom schob Dorn auf die überflüssige Kohleenergie, welche sogar zu einem Export an Strom führe. Man könne daher problemlos auf Kohleenergie verzichten.

Michael Boddenberg, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, musste unterdessen die „10H“-Regelung, die seine Partei im aktuellen Wahlprogramm verankert hat, verteidigen. Diese Regelung besagt, dass der Abstand einer Windkraftanlage zu einer Wohnanlage zehn Mal die Höhe der Windkraftanlage betragen müsse – also bei einem 200 Meter hohen Windrad zwei Kilometer Abstand zur nächsten Siedlung. Boddenberg erklärte, er habe dieser Regelung nicht zugestimmt, sie habe aber nun mal eine Mehrheit in der hessischen CDU erreicht.

Angelika Löber kritisierte diesen Programmentwurf, da die „10H“-Regelung faktisch dazu führen würde, dass es in Hessen keine weiteren Windkraftanlagen geben könne. Für sie bedeute dies den „Ausstieg der CDU aus der Energiewende“. Dr. Ingeborg Cernaj (Die Linke) versicherte, angesprochen auf einen eventuellen Arbeitsplatzverlust durch den Umstieg auf erneuerbare Energien, dass auch in diesem Bereich, aber beispielsweise auch in der ökologischen Landwirtschaft, jede Menge neuer Arbeitsplätze entstehen würden. Cernaj kritisierte außerdem, dass eine gesunde, ökologische Ernährung häufig vom Einkommen abhänge. Gesunde Lebensmittel müssten auch für arme Menschen erschwinglich sein.

von Isabell Link