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Landtagswahl 2018 300 Bürger stellen sich gegen Diskriminierung
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00:17 07.10.2018
Applaus auf dem Kirchhainer Marktplatz. Rund 300 Teilnehmer hatten sich dort zu einer Kundgebung für Toleranz und Weltoffenheit versammelt. Quelle: Foto: Nadine Weigel
Kirchhain

Vorsorglich zeigte die Polizei ab Dienstagnachmittag hohe Präsenz. Es kam aber zu keinerlei Zwischenfällen, wie Polizeisprecher Jürgen Schlick berichtete. Auf dem Marktplatz feierten „in der Spitze“, so die Polizei in ihrer Schätzung, etwa 300 Teilnehmer das Fest „Kirchhain: bunt und weltoffen“, begleitet mit Musik von Oberstufen-Schülern der Alfred-Wegener-Schule und der Kirchhainer Kindergärten „Alsfelder Straße“ und „Am Steinweg“. Unter den Teilnehmern war dabei auch Carsten Schneider, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion.

Es gehe darum, „Gesicht zu zeigen“, sagte Klaus Weber, Stadtverordnetenvorsteher und Versammlungsleiter. Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann (SPD) sprach gegenüber der OP von klarer Positionierung, um die es gehe. Klare Position bezogen an diesem Abend alle sechs Redner: von Pfarrer Rainer Wilhelm über Artur Malassa, Betriebsratsvorsitzender der Marburger Tapetenfabrik, Monika Bunk von der jüdischen Gemeinde Marburg, Landrätin Kirsten Fründt (SPD), ­Weber und Hausmann.

Ein breites Bündnis organisierte zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres ein Fest auf dem Kirchhainer Marktplatz, vor allem, „um ein Zeichen zu setzen“ für Weltoffenheit.

Gleich zu Beginn zeigte eine ­Schülerin Gesicht. Jeder Mensch, egal welcher Hautfarbe, sei schön auf seine Weise. Sie bekam den ­ersten langen Applaus. Musikalische Zeichen setzten auch Kindergartenkinder und die heimische Band „Softeis“.

Später zu sagen, dass man nichts gewusst habe, sei ­heute nicht mehr möglich, ­machte Monika Bunk klar. „Wer ­heute gegen Muslime hetzt, hetzt morgen gegen Juden“, mahnte und warnte sie in Richtung AfD. „Wir müssen klar heraus sagen, was antidemokratisch ist“, so ihr Postulat. Bunk forderte Zivilcourage ein. Eine Forderung, die die Landrätin später auch aufgriff. „Es geht um unsere Art zu leben“, so Kirsten Fründt.

Hinter der Veranstaltung auf dem Marktplatz stand wieder ein breites Bündnis: von den Fraktionen im Stadtparlament (CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP) über Kirchengemeinden, Gewerkschaften, Schulen und Vereine. Artur Massada berichtete, dass in der Marburger Tapetenfabrik, größter Arbeitgeber in Kirchhain, rund 320 Menschen aus 20 Nationen arbeiten – und wie wertvoll diese Internationalität für das Unternehmen geworden ist.

Für Pfarrer Rainer Wilhelm müssen sich Kirchen klar von der AfD distanzieren. „Deren Ziele passen nicht zu einem christlichen Menschenbild.“ In Anlehnung an Dietrich Bonhoeffer wünschte sich Wilhelm ein Angehen gegen Dummheit, bevor sie zur Überzeugung werde. Bürgermeister Hausmann stellte am Ende fest, dass zwischen den beiden Veranstaltungen von „Kirchhain: bunt und weltoffen“ der Ton rauer geworden sei. Auch unter Kirch­hainer Bürgern. Er erinnerte ­daran, dass die Veranstaltung von demokratisch gewählten Vertretern getragen werde. Und bekam reichlich Applaus.

von Michael Rinde