Volltextsuche über das Angebot:

28 ° / 14 ° Gewitter

Navigation:
Landflucht lässt Immobilienpreise ins Hessen sinken

Wohnungspolitik Landflucht lässt Immobilienpreise ins Hessen sinken

Weil vor allem junge Menschen zunehmend in die Stadt ziehen, wird der Verkauf von Wohnungen und Häusern in ländlichen Gebieten Hessens schwieriger. Die Immobilienpreise sinken daher insgesamt.

Kassel. Im Schnitt lag der Rückgang zwischen 2003 und 2011 inflationsbereinigt (real) bei 17 Prozent, nominal bei 4 Prozent, rechnete der Verband der Wohnungswirtschaft (VdW südwest) am Donnerstag in Kassel vor. Im ländlichen Raum seien die Preise real sogar um mehr als 30 Prozent gefallen, lediglich in den Ballungszentren blieben sie stabil.

Auch im Umland der großen Städte seien deutliche Preisrückgänge zu beobachten. "Es gibt kaum eine Region mit fulminanten Steigerungen, nicht mal in Südhessen", betonte er. Der Preisverfall auf dem Land werde mit immer mehr leerstehenden Immobilien noch zunehmen, sagte Verbandschef Rudolf Ridinger. Dies treffe vor allem Nordhessen - und ältere Menschen, deren Haus als Altersvorsorge gedacht war und das sie zum Beispiel beim Umzug in ein Altenheim verkaufen müssten. "Die sind die Gekniffenen", sagte Ridinger.

Der VdW südwest hatte Regionalstudien zu den hessischen Immobilienmärkten beim Institut Wohnen und Umwelt (IWU) in Darmstadt in Auftrag gegeben. Die Daten basieren unter anderem auf Angebotspreisen aus Internet-Immobiliendatenbanken sowie aus kommunalen Gutachterausschüssen.

Stefan Mitropoulos von der Hessischen Landesbank (Helaba) in Frankfurt vermutete, dass der wirtschaftliche Aufschwung zuletzt sinkende Preise aus der Finanzkrise noch nicht wieder aufgefangen hat. Dem widersprach Ridinger. Die Finanzkrise habe eher zu einer Stabilisierung der Angebotspreise beigetragen. "Viele haben Geld aus anderen Anlageformen in "Betongold" umgeschichtet", erklärte er.

Grund für die Entwicklung sei vielmehr die anhaltende Landflucht, sagte Ridinger. Damit ist vor allem der Wohnortwechsel von Studenten und Berufseinsteigern gemeint. Ältere Menschen blieben dagegen häufig noch in ihren Häusern auf dem Land, auch wenn die Kinder ausgezogen seien und ein Ehepartner gestorben ist. Die Folge: Im Werra-Meißner-Kreis liege die durchschnittliche Pro-Kopf-Wohnfläche bei fast 50 Quadratmetern, in Kassel nur bei knapp über 40 Quadratmetern. Die Ausdünnung bei der Gesundheitsversorgung führe aber dazu, dass künftig auch ältere Menschen ihren Wohnort wechseln werden, betonte Ridinger.

Eine weitere Folge: Baufirmen zieht es zunehmend in die Ballungsräume. "Viele Firmen müssen reisen, um Aufträge zu bekommen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands baugewerblicher Unternehmer Hessen, Rainer von Borstel, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt. Im Ballungsraum Frankfurt, in der Region Gießen/Marburg oder in Fulda und Kassel gebe es einen großen Bedarf an Wohnimmobilien. Im Werra-Meißner-Kreis oder in Hersfeld-Rotenburg verlaufe die Entwicklung dagegen genau in die entgegengesetzte Richtung.

In Kassel zeigt sich die Konjunktur auch in steigenden Angebotsmieten mit im Schnitt mehr als sechs Euro pro Quadratmeter. Dabei sei erstmals seit Jahren wieder der Vergleichswert von Fulda (5,90 Euro) übertroffen worden, betonte Ridinger. Der Schnitt für Hessen liegt bei 7,10 Euro pro Quadratmeter und Monat.

dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel