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Hessen Land Hessen erwartet Beginn des Rückbaus von Biblis im Jahr 2016
Mehr Hessen Land Hessen erwartet Beginn des Rückbaus von Biblis im Jahr 2016
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17:57 16.02.2012
Über die Abschaltung herrscht Einigkeit. Foto: Boris Roessler/Archiv
Wiesbaden

Zuerst müssten aber die 1000 radioaktiven Brennelemente aus den beiden Reaktoren in 50 Castor-Behältern gesichert und dann im Zwischenlager deponiert werden, sagte am Donnerstag in Wiesbaden der im Ministerium zuständige Abteilungsleiter Guntram Finke. Dies werde voraussichtlich bis 2014 dauern, da derzeit nur drei Castoren in Biblis vorrätig seien. Erst danach könne über die Abbruchgenehmigung entschieden werden, sagte der Experte im Umweltausschuss des Landtags.

Die beiden südhessischen Atomreaktoren Biblis A und B, 1974 und 1976 errichtet, wurden im vergangenen Jahr nach dem Atomausstieg vom Netz genommen. Sie befinden sich offiziell in der Nachbetriebsphase. Statt eines Rückbaus könnte sich der AKW-Betreiber RWE allerdings auch für einen sicheren Einschluss (Versiegelung) entscheiden. Nach Einschätzung des Ministeriums hat der Konzern den Rückbau akzeptiert. Eine Versiegelung würde das Problem des Rückbaus ohnehin nur um einige Jahrzehnte verschieben, sagte Finke. In einer Reaktion wies RWE umgehend darauf hin, dass das Unternehmen zum Rückbau noch keine Entscheidung getroffen habe. Man prüfe "verschiedene Optionen", sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur dpa.

Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) betonte, der Rückbau müsse so schnell wie möglich beginnen. Sicherheit habe aber Vorrang. Darin waren sich im Ausschuss Regierungsparteien und Opposition einig. Verwundert zeigte sich aber die SPD, dass RWE nur drei Castoren in Biblis vorrätig habe. Der Energiekonzern habe eine "vernünftige Vorsorge" betrieben, meinte dagegen Ministeriumsfachmann Finke. In Deutschland werden nach seinen Angaben jährlich nur 80 Castoren gebaut.

Fest steht, dass die Behälter mit den hochstrahlenden Elementen ins Zwischenlager in Biblis kommen. Mit einer zehn Meter hohen Mauer soll das Lager vor Sabotageakten gesichert werden. Bis zu 40 Jahre lang sollen die Castoren auf dem Kraftwerksgelände bleiben. Noch immer wird in Deutschland nach einem Endlager gesucht.

Außerdem werden in Biblis künftig noch 10 000 Tonnen radioaktiver Abfall behandelt und ebenfalls gelagert. Im kommenden Jahr könnte nach Ansicht des Ministeriums bereits mit dem Abbruch der nicht-nuklearen Teile begonnen werden, darunter Maschinenhaus und Turbine. Zu den ersten Schritten gehöre auch die Dekontaminierung des Primärkreislaufs des AKWs.

Bevor es dann an den Rückbau geht, muss RWE ein Konzept vorlegen. An den Erörterungen vor der offiziellen Genehmigung werde auch die Öffentlichkeit beteiligt, sagte Finke. Die Grünen wollen noch weitergehen: Die Partei will den Abbruchprozess von einem eigenen Beirat begleiten lassen.

dpa